Impuls

„Was kann Nürnberg von Shenzhen lernen, Martin Kassubek?“

Shenzhen gilt als einer der schnellsten Wirtschaftsstandorte der Welt – und genau dort hat Martin Kassubek erlebt, wie sichtbar Zukunft werden kann. Im Interview mit bürobesuch.de spricht der Senior Vice President Business Development der NürnbergMesse Group darüber, was Nürnberg vom „Shenzhen-Speed“ lernen kann, warum die Region ihre Stärken selbstbewusster verbinden sollte und weshalb internationale Wirtschaftsbeziehungen vor allem durch echtes Erleben entstehen.

Außerdem erklärt Kassubek, wie die NürnbergMesse ihre eigene Digitalisierung vorantreibt: von einer neuen E-Commerce-Plattform für Aussteller bis zur Frage, welche Services bei Messen künftig stärker nachgefragt werden. Dabei wird deutlich: So digital das Messegeschäft auch wird – sein Kern bleibt die persönliche Begegnung.

Wie erklären Sie einem 7-jährigen Kind, was Sie beruflich machen?

Meine achtjährigen Kinder würden meinen Job ungefähr so beschreiben: „Unser Papa arbeitet bei der Messe, wo sich ganz viele Menschen treffen. Er guckt, dass alles funktioniert, verbessert wird und vor allem die Computer laufen.”

Das trifft es im Kern doch schon mal ganz gut. 

Was hat Ihnen Shenzhen über Nürnberg gezeigt?

Shenzhen hat sich in nur 45 Jahren von einem Fischerdorf zu einer Megacity mit fast 18 Millionen Einwohnern entwickelt. Das ging nicht ohne konkrete städtebauliche Initiativen – hierbei stehen bereits seit geraumer Zeit bspw. Smart-City-Initiativen, Start-Ups und die Förderung von nachhaltigen Verkehrskonzepten im Fokus.

Natürlich hinkt der Größenvergleich – jedoch zeigt sich, dass auch Nürnberg bei den Entwicklungen auf einem guten Weg ist. Zum Beispiel belegt unsere Heimatstadt im aktuellen Smart City Index des Bitkom für deutsche Großstädte einen bemerkenswerten den achten Rang, braucht sich also nicht zu verstecken!  

Gab es auf der Reise einen Moment, der Sie besonders überrascht hat?

Es war das Licht überall! In Shenzhen sieht man viele türkisfarbene Leuchten an Autos und im Straßenverkehr. Das sticht einem regelrecht ins Auge. Und diese Farbe steht wiederum für Fortschritt, denn sie signalisiert, dass das jeweilige Fahrzeug autonom unterwegs ist.

Hier wird Zukunft schon jetzt erlebbar und deutlich sichtbar!

Was kann Nürnberg von der Geschwindigkeit in Shenzhen lernen?

Das Handelsblatt hat Shenzhen zum „schnellsten Standort der Welt“ erklärt. Der „Shenzhen-Speed” beschreibt das schnelle Zusammenbringen von Kompetenzen und die hohe Geschwindigkeit, wenn es darum geht, unterschiedliche Technologien und Partner zu vernetzen.

Ich bin davon überzeugt, dass man aus deutscher Sicht grundsätzlich viel von dieser Systematik adaptieren und gleichzeitig die Standortfaktoren von Nürnberg berücksichtigen kann.  

Was sollten Unternehmen aus der Metropolregion von Shenzhen mitnehmen?

Unternehmen aus der Metropolregion sollten sich auf die Stärken fokussieren, die sie haben und diese in einem zunehmenden Technologiewettbewerb nutzen. Im Kern geht es natürlich um die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Wertschöpfung.

Wir sollten diesen Entwicklungen positiv und progressiv gegenüberstehen und nicht nur auf die Entwicklung von Big-Tech-Firmen in den USA oder China schauen.   

Wo ist China für Sie Vorbild – und wo eher Warnsignal? 

Es gibt gerade bei den Technologieentwicklungen ganz sicher nicht nur Schwarz oder Weiß. Der enorme Fokus auf den technologischen Fortschritt schafft auf der einen Seite sichtbar neue Potenziale, die die unternehmerische und individuelle Leistungsfähigkeit weiter erhöhen und neue Möglichkeiten schaffen.

Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz zeigen aber auch, dass es einen Regulierungsrahmen braucht, um das Ruder in der Hand zu behalten. 


Marketing Community Mittelfranken – Networking im Business Tower Nürnberg

Auf der Bühne geben zwei Speaker konkrete Impulse aus der Praxis: Konrad Sörgel, Vertriebsleiter Distribution bei der E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH, spricht unter dem Titel „Vom Stromverteiler zum Storytelling“ darüber, wie aus Technik Emotion gemacht wurde. Sabrina Oehme, Head of Brand & Growth bei KLOSTER KITCHEN, zeigt in ihrem Impuls „Kreativ trifft Conversion“, wie zwei gegensätzliche Denkweisen mit KI zur Stärke werden können.

Der Einlass beginnt um 18:30 Uhr, die Begrüßung startet um 19:00 Uhr. Veranstaltungsort ist das Büro der wirdenkenlokal GmbH im 26. Stock des Business Towers Nürnberg. Die Teilnahme ist mit einem kostenlosen Ticket möglich.

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Was muss Nürnberg tun, um international sichtbarer zu werden?

Mir hat die Delegationsreise gezeigt, dass gezielte Besuche in den Partnerstädten Nürnbergs mit entsprechendem Wirtschaftsaustausch genau die richtigen Formate sind, um die internationale Präsenz zu stärken und gleichzeitig ein belastbares Netzwerk aufzubauen.

Nürnberg hat weiterhin diesen “positiven Überraschungsmoment” – in den Gesprächen spürt man immer wieder, dass der Standort Nürnberg viel zu bieten hat und internationales Interesse da ist.

Die NürnbergMesse ist international stark aufgestellt. Was bedeutet Internationalisierung für Sie?

Die Branchen unserer Fachmessen und Kongresse agieren weltweit. Entsprechend können unsere Veranstaltungen auch nur dann relevant bleiben, wenn sie diese Internationalität widerspiegeln und alle wichtigen Akteure miteinander vernetzen. Dies gelingt uns unter anderem durch unsere Tochtergesellschaften in zentralen Wachstumsmärkten wie zum Beispiel China, Brasilien und Indien, die als Brücke zu unseren Fachmessen in Nürnberg dienen.

Gleichzeitig organisieren unsere Mitarbeitenden im Ausland auch Veranstaltungen vor Ort – teilweise als Ableger erfolgreicher Nürnberger Formate, aber auch als eigene Formate ausgerichtet auf die Bedürfnisse des jeweiligen Marktes. So finden die BIOFACH (Bio Lebensmittel), die embedded world (Eingebettete Systeme) oder die Euroguss (Druckgusstechnologie) auch in Ländern rund um den Globus statt.

Wie wichtig sind Reisen wie diese für echte Wirtschaftsbeziehungen?

Für echtes Verständnis und Vertrauen ist es entscheidend, Dinge direkt vor Ort zu erleben. Das gilt für die Reisen von Wirtschaftsdelegationen ebenso wie für unsere Messen. Um etwas im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, muss man es sehen, anfassen und erleben können.

Bereits im Mittelalter haben Nürnberger Kaufleute das beherzigt und Handel in der ganzen Welt betrieben – der Lebkuchen mit seinen vielfältigen Gewürzen ist bis heute ein Symbol für die internationale Orientierung der Stadt.

Und das spiegeln auch unsere vielen Tochtergesellschaften wider, die in Namen der NürnbergMesse Group weltweit das Messegeschäft betreiben.

Digitalisierung ist ein großes Thema bei der NürnbergMesse. Wo stehen Sie da aktuell?

Wir haben früh mit der Digitalisierung begonnen und konnten deshalb während der Pandemie durchstarten, als es darauf ankam! 

Unser Ziel ist es, dass wir in der Messewirtschaft eine starke digitale Rolle spielen. Das fängt bei der Verankerung im Unternehmen an und endet bei digitalen Services, die wir unseren Kunden anbieten.

Heute bearbeiten wir Digitalisierung ganzheitlich – nicht mehr nur abgeschlossen in einer Abteilung, sondern fest verankert im gesamten Unternehmen – immer mit einer klaren Business-Perspektive.

Was macht die neue E-Commerce-Plattform für Aussteller konkret einfacher?

Im Zentrum steht immer die sogenannte „Buying Journey“, das heißt wir versuchen, den Bestellprozess für unsere Kunden einfacher und transparenter zu gestalten. Wir alle sind es gewohnt, schnell und einfach online zu bestellen. Das erwarten auch unsere Kunden von uns. Unser Ziel war es daher, die Art und Weise, wie unsere Dienstleistungen bestellt und abgewickelt werden, zu vereinfachen.

Die E-Commerce Plattform orientiert sich an modernen B2C-Standards, wie sie Kunden aus ihrem privaten Alltag gewohnt sind. Der Bestellprozess muss sich anfühlen wie ein Einkauf in einem vertrauten Online-Shop mit übersichtlichen Produktdarstellungen, einer einfachen Navigation, transparenten Preisen und Leistungen sowie einem durchgängig geführten Bestellprozess.

Uns ist es wichtig, dass der Kunde jederzeit weiß, wo er sich im Prozess befindet, welche Schritte noch folgen und welche Informationen noch benötigt werden.

Warum war Ihnen dieses Plattform-Projekt persönlich so wichtig?

Der Umsatzanteil unserer Messeservices und ihre Bedeutung für unser Geschäftsmodell nimmt stetig zu – und macht heute bereits ein Viertel unseres Gesamtumsatzes aus.

Die Plattform spielt dabei eine zentrale Rolle: Um unsere messebegleitenden Services weiter auszubauen, müssen wir in der Lage sein, unser Dienstleistungsangebot gegenüber unseren Kunden transparent aufzuzeigen und die Bestellung so einfach wie möglich zu machen.

Und das alles gemeinsam mit unseren Service Partnern, die mit uns gemeinsam diese Leistungen anbieten.

Wie verändert die Plattform das Service Partner Management?

Durch unsere neue Plattform können wir in Zukunft ein größeres Produktangebot bereitstellen. Wir vermeiden manuelle Abwicklungsprozesse, redundante oder fehleranfällige Arbeitsschritte und reduzieren so die Support-Anfragen auf der Bestellplattform.

Damit schaffen wir den nötigen Freiraum, um unser Portfolio perspektivisch zu erweitern und die Angebote unserer Service Partner einzubinden. 

Welche Services werden bei Messen künftig stärker nachgefragt?

Wir sehen insbesondere drei Kategorien: Erstens, Leistungen wie Strom und Wasser sind Standard und müssen immer gebucht werden können.

Zweitens, Digitale und hybride Produkte, online und onsite, zeigen ein starkes Wachstum. Deswegen werden wir die Buchungsmöglichkeiten für digitale Leistungen mit Veranstaltungsbezug weiter ausbauen.

Und drittens, technologieorientierte Produkte und Lösungen für Messestände werden zunehmend stärker nachgefragt. Dieser Trend wird sich weiter verstärken – auch beeinflusst durch Social Media und steigende Erwartungen an moderne Stand- und Markeninszenierungen.

Was muss digital werden – und was bleibt bei Messen bewusst persönlich?

Messen leben von Begegnungen und persönlichem Austausch. Denn das Zusammentreffen zwischen Menschen und die Energie, die entsteht, wenn Tausende Aussteller und Besucher aus einer Branche an einem Ort aufeinandertreffen, bleiben unersetzlich.

Digital ist alles, was uns vor, während und nach der Messe begleitet und wie wir zusammenfinden. So können wir in Zukunft das Messeerlebnis noch eindrucksvoller, effizienter und komfortabler für unsere Kunden gestalten.

Zum Abschluss: Was sollte von der Shenzhen-Reise bei der Nürnberger Delegation hängen bleiben? 

Das enorme Tempo in Shenzhen, der sogenannte „Shenzhen-Speed“, bleibt mir positiv in Erinnerung.

Wenn wir die Kompetenzen unserer Europäischen Metropolregion Nürnberg clever miteinander verbinden, können wir gemeinsam viel bewegen.

Eine Delegationsreise wie die nach Shenzhen ist eine Bereicherung für die Teilnehmer auf beiden Seiten. Indem man sich besser kennenlernt, wird Schwarz-Weiß-Denken durch echte Erfahrungen ersetzt und Möglichkeiten wie Risiken besser verstanden.  


Sie haben eine Empfehlung für einen Interviewpartner für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an presse@buerobesuch.de.

Wie hat Ihnen unser Interview gefallen? Schreiben Sie Ihr Feedback gerne an constantin.kaindl@buerobesuch.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

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Beste Grüße & vielen Dank

Constantin Kaindl

Herausgeber

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