Was passiert, wenn soziale Herausforderungen schneller wachsen als die Mittel, sie zu bewältigen? Kai Stähler, Vorstandsvorsitzender der Stadtmission Nürnberg, spricht im Interview mit bürobesuch.de über eine Realität, die viele nicht sehen: steigende Armut, wachsende psychische Belastungen und immer mehr Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.
Gleichzeitig richtet er den Blick nach vorne – und auf die Wirtschaft. Denn Unternehmen können heute weit mehr tun, als nur zu spenden: Sie können aktiv Teil der Lösung werden. Wie das konkret aussieht, warum Engagement auch intern wirkt und welche Formen der Zusammenarbeit wirklich etwas bewegen, darüber spricht Stähler offen und praxisnah.

Wie erklären Sie einer 7-Jährigen, was Sie beruflich machen?
Stell dir vor, ich bin der Teamkapitän einer großen Mannschaft, die Stadtmission heißt. In unserem Team arbeiten rund 2.800 Menschen, die anderen helfen — egal, ob jemand traurig ist, krank wird, ein Baby bekommt, neu in die Stadt zieht oder einfach Unterstützung braucht.
Ich achte darauf, dass unser Team gut zusammenspielt und alle das haben, was sie brauchen, um helfen zu können. Und ich schaue, dass wir für jede besondere Lebenssituation das richtige Angebot haben.
Welche Bereiche umfasst das Angebot der Stadtmission Nürnberg?
Wir sind ein diakonisches Unternehmen mit über 80 Einrichtungen und Diensten für Menschen in allen Lebenslagen – unabhängig von Herkunft, Identität oder Glauben. Ein Schwerpunkt ist die liebevolle Pflege und Begleitung älterer Menschen.
Wir unterstützen auch Kinder, Jugendliche und Familien und bieten jungen Menschen ein Zuhause auf Zeit, wenn sie nicht bei ihren Familien leben können. Wir helfen Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Suchtproblemen, begleiten Straffällige und unterstützen bei Armut und Obdachlosigkeit. Unsere Kitas und Horte sind Orte, an denen Kinder wachsen können.
Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf?
Leider steigt die Nachfrage fast überall. Psychische Erkrankungen nehmen zu, und viele Kinder und Jugendliche stehen unter großem Druck. Immer mehr Menschen haben am Monatsende kein Geld mehr. Armut – oft unsichtbar, aber allgegenwärtig – ist eines unserer größten Themen.
Besonders in unseren Bahnhofsmissionen in Nürnberg und Erlangen, in den Wärmestuben oder bei der Tafel der Diakonie Erlangen, die zur Stadtmission Nürnberg gehört, sehen wir täglich, existenziell wichtig unsere Unterstützung für viele Menschen geworden ist.
Wie können Unternehmen die Stadtmission konkret unterstützen?
Unternehmen können ein Spendenprojekt unterstützen oder eine Partnerschaft eingehen, die zu ihnen passt. Jede Spende – egal wie groß – hilft uns enorm, da Zuschüsse und Entgelte nicht mehr ausreichen, um unsere Arbeit zu finanzieren. Wer nicht nur spenden, sondern auch mit anpacken möchte, ist herzlich willkommen. Wir organisieren gern gemeinsame Volunteering-Tage – unsere „Social Days“.
Ihr Unternehmen im besten Licht

Gute Fotos entscheiden mit über den ersten Eindruck. Deshalb produziert die Digitalagentur wirdenkenlokal Content, der mehr kann als nur hübsch aussehen: Das erfahrene Foto-Team setzt Ihr Unternehmen authentisch, sympathisch und professionell in Szene – ob für Social Media, Website, Broschüren oder Recruitingkampagnen.
wirdenkenlokal fotografiert Menschen, Maschinen, Prozesse oder Events – direkt bei Ihnen vor Ort. Für einen langjährigen Partner, das Unternehmen Kanaltechnik Meyer, entstanden auf diese Weise starke Motive, die heute erfolgreich zur Personalgewinnung eingesetzt werden – mit über 2,1 Mio. Sichtkontakten.
Sie möchten nicht auf ausdruckslose lizenzfreie Fotos setzen, sondern Ihre eigene visuelle Identität stärken?
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Welche Formen der Zusammenarbeit mit Unternehmen funktionieren besonders gut?
Wir freuen uns über jedes Unternehmen und jede Stiftung, die sich mit uns für Menschen einsetzen. Ob einmalige Spende oder langfristige Partnerschaft – alles ist möglich. Unsere Projekte sind so vielfältig wie die Menschen, die wir begleiten: von Kindern und Jugendlichen über Senioren bis hin zu Menschen in Armut oder Krisen.
Gemeinsam finden wir das Projekt, das zu den Werten des Unternehmens passt. Wir zeigen offen, wofür jeder Euro eingesetzt wird, stellen Spendenquittungen aus und laden Unternehmen ein, die Wirkung „ihres“ Projekts persönlich zu erleben.
Können Sie Beispiele nennen, wie Unternehmen bereits erfolgreich helfen?
Zum Glück haben wir wunderbare Partner. Die Hoffmann Group Foundation unterstützt unseren Jugendhilfeverbund Martin-Luther-Haus seit zehn Jahren. Dank dieser Partnerschaft entstanden Holz- und Kreativwerkstätten, in denen Kinder in Einzelstunden oder kleinen Gruppen werkeln, gestalten und zur Ruhe kommen. Für viele von ihnen ist das ein echter Kraftort.
Sehr dankbar sind wir auch für das verlässliche Engagement der Manfred Roth-Stiftung (NORMA). Sie unterstützt uns immer wieder, zum Beispiel in der Telefonseelsorge – ein Angebot, das für viele Menschen in Krisen ein lebenswichtiger Anker ist.
Was haben Unternehmen selbst davon, sich sozial zu engagieren?
Viele Unternehmen möchten ihre Werte auch außerhalb des Arbeitsalltags leben und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das stärkt das Teamgefühl und bewegt wirklich etwas. Bei unseren „Social Days“ erleben Mitarbeitende, wie sie gemeinsam etwas Sinnvolles schaffen.
Immer mehr Firmen spenden ihr „Weihnachtsbudget“ und zeigen damit soziale Verantwortung. Wir berichten anschließend auf unserer Website, in unserem Spendenmagazin und in den sozialen Medien über diese wertvolle Unterstützung.
Wie können sich auch kleinere Unternehmen einbringen?
Wir freuen uns über jede Unterstützung. Unsere Spendenprojekte, wie Tierpatenschaften für unseren Jugendbauernhof, können schon mit kleinen Beträgen unterstützt werden. Manche Firmen spenden auch Sachgüter. Interessierte Firmen können uns gerne ansprechen.
Welche Rolle spielt langfristiges Engagement im Vergleich zu einmaligen Aktionen?
Langfristiges Engagement ermöglicht es uns, Projekte zielgerichtet aufzubauen und zu sichern. Aber wir sind auch dankbar für Einzelspenden, etwa im Rahmen eines Firmenjubiläums.
Was wünschen Sie sich konkret von der regionalen Wirtschaft?
Soziale Dienste haben immer Konjunktur, weil viele Menschen nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Und ich fürchte: mit zunehmender Tendenz. Ich wünsche mir von der regionalen Wirtschaft Aufmerksamkeit für diese Menschen. Jeder kann konkret helfen.
Sie haben eine Empfehlung für einen Interviewpartner für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an presse@buerobesuch.de.
Wie hat Ihnen unser Interview gefallen? Schreiben Sie Ihr Feedback gerne an constantin.kaindl@buerobesuch.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.
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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

