Impuls

„Wofür braucht die Region einen eigenen VC, Dennis Kirpensteijn?“

Warum wandern starke Start-ups aus der Metropolregion Nürnberg oft spätestens bei der nächsten Finanzierungsrunde nach Berlin, München oder London ab? Für Dennis Kirpensteijn, ehemaliger COO im ZOLLHOF – Tech Incubator und Managing Director der ZOHO Fund Management GmbH, liegt die Antwort nicht an fehlenden Ideen, Talenten oder Industriekontakten – sondern an einem fehlenden Puzzlestück: regionalem Risikokapital.

Im Interview mit bürobesuch.de spricht er darüber, warum ein eigener VC (Venture Capital) für Nordbayern mehr leisten kann als nur Geld zu geben, welche Rolle der ZOLLHOF dabei spielt und weshalb Nähe, Vertrauen und lokale Netzwerke im Venture-Capital-Geschäft zum echten Standortvorteil werden können.

Wie erklären Sie einer 7-jährigen, was Sie beruflich machen?

Stell dir vor, du hast eine tolle Idee für ein neues Spielzeug – aber kein Geld, um es zu bauen. Ich bin jemand, der dir das Geld gibt, damit du deine Idee ausprobieren kannst. Dafür bekomme ich später, wenn dein Spielzeug viele Leute kaufen, einen Teil davon zurück. Ich helfe also mutigen Menschen, ihre Träume wirklich werden zu lassen – und in Nürnberg gibt es zum Glück schon einen tollen Ort, wo solche mutigen Menschen zusammenkommen: den Zollhof.

Warum braucht eine Region wie die Metropolregion Nürnberg einen eigenen Venture-Capital-Fonds?

Weil Kapital allein nicht reicht – es kommt darauf an, woher es kommt und wer es mitbringt. Die Metropolregion Nürnberg ist eine der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands, mit exzellenten Hochschulen, starker Industrie und echtem Unternehmergeist. Mit dem Zollhof hat die Region bereits bewiesen, dass sie ein funktionierendes Gründerökosystem aufbauen kann – mit hunderten von Start-ups, die dort entstanden sind oder Unterstützung gefunden haben.

Was bislang noch gefehlt hat, ist ein institutioneller Frühphasen-Investor, der diese Region wirklich versteht und gezielt Kapital in die vielversprechendsten dieser Gründungen lenkt. Genau diese Lücke wollen wir schließen.

Welchen Ansatz verfolgen Sie mit der ZOHO Fund Management GmbH?

Wir sind ein regionaler Frühphasen-Investor mit klarem Fokus auf die Metropolregion Nürnberg und Nordbayern. Dabei sehen wir uns als natürliche Ergänzung zu dem, was der Zollhof bereits leistet: Der Zollhof begleitet Gründerinnen und Gründer in der allerersten Phase – mit Räumen, Coaching, Community und Netzwerk.

Wir setzen genau dort an, wo Gründer den nächsten Schritt brauchen: institutionelles Kapital, um aus einer Idee ein skalierbares Unternehmen zu machen. Gemeinsam können wir eine echte Gründungskette bauen – von der ersten Idee bis zur Wachstumsfinanzierung.

Was können regional verankerte Investoren leisten, was ein Fonds aus Berlin, London oder dem Silicon Valley nicht kann?

Präsenz und Verständnis. Ein Investor aus dem Silicon Valley bewertet ein Start-up aus Nürnberg nach globalen Mustern – oft ohne zu wissen, welche Kunden hier greifbar sind, welche Industriepartner um die Ecke sitzen oder welche lokalen Besonderheiten den Markteintritt erleichtern.

Wir kennen den Zollhof, wir kennen die Gründer, die dort arbeiten, wir kennen die Hochschulen, aus denen sie kommen. Wir können ein Start-up zum Gespräch bei einem mittelständischen Weltmarktführer aus der Region begleiten. Das ist ein Vorteil, den kein Remote-Investor einfach replizieren kann.

Was sehen Sie als größten Nachteil für Start-ups, wenn Kapital nicht aus der eigenen Region kommt?

Die Entwurzelung. Wenn der Lead-Investor in Berlin oder London sitzt, zieht er das Team früher oder später dorthin – oder er erwartet, dass die Gründer regelmäßig reisen, um sichtbar zu sein. Das kostet Zeit, Energie und oft auch die lokalen Talente, die nicht mitziehen wollen.

Wir haben im Zollhof Teams gesehen, die großartige Arbeit geleistet haben – und die dann für ihre Series A nach Berlin oder München mussten, weil kein lokaler institutioneller Investor da war. Genau diesen Abfluss von Talent und Wertschöpfung wollen wir stoppen.


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Viele sprechen von „Smart Money“ – was bedeutet das im Kontext eines regionalen VCs ganz konkret für Gründer vor Ort?

Smart Money ist kein Buzzword – es ist ein Versprechen. Für uns bedeutet das konkret: Wir öffnen Türen zu etablierten Unternehmen der Region, die als erste Kunden oder Pilotpartner dienen können. Wir arbeiten eng mit dem Zollhof zusammen, dessen Netzwerk und Programmangebot für unsere Portfolio-Unternehmen direkt zugänglich ist.

Wir vermitteln erfahrene Beiräte aus dem industriellen Mittelstand. Wir kennen die lokalen Förderprogramme und helfen, öffentliche Mittel zu kombinieren. Und wir sind ansprechbar – nicht über drei Zeitzonen hinweg, sondern meist innerhalb von 24 Stunden.

Wie nehmen Sie die Qualität und Quantität der Start-ups aus der Region aktuell wahr – ist das Angebot da, das Sie brauchen?

Die Qualität ist besser als ihr Ruf – und der Zollhof ist ein wesentlicher Grund dafür. Was dort in den letzten Jahren entstanden ist, zeigt, dass die Region echtes Gründerpotenzial hat: technologisch starke Teams, realistische Geschäftsmodelle, Branchenkenntnis.

Was oft noch fehlt, ist das selbstbewusste Auftreten und die Bereitschaft, groß zu denken. Die Quantität ist ausbaufähig – aber das ist auch eine Frage des Ökosystems. Je mehr erfolgreiche Exits wir sehen, desto mehr Talente trauen sich, den Schritt zu wagen.

Was fehlt der Region heute noch, um mehr investierbare Start-ups hervorzubringen?

Drei Dinge: Erstens mehr Mut zum Scheitern – und eine Kultur, die einen ersten misslungenen Versuch nicht als Makel, sondern als Erfahrung wertet.

Zweitens brauchen wir stärkere Brücken zwischen Hochschule und Markt: Viele vielversprechende Technologien aus der FAU, der TH Nürnberg und weiteren nordbayrischen Universitäten finden noch nicht den Weg in ein skalierungsfähiges Unternehmen – hier könnte der Zollhof als Bindeglied noch stärker werden.

Und drittens: mehr sichtbare Vorbilder. Wenn die ersten regionalen Exits ihre Gründer als Investoren und Mentoren zurückbringen, entsteht ein Schwungrad – und der Zollhof wäre der natürliche Ort, an dem diese Energie gebündelt wird.

Wie wichtig sind Netzwerke, Nähe und Vertrauen im VC-Geschäft wirklich – gerade im Vergleich zu rein digitalen, globalen Investmentprozessen?

Sie sind entscheidend – auch wenn das in einer digitalisierten Welt altmodisch klingt. VC ist ein People Business. Ich investiere in Menschen, bevor ich in Geschäftsmodelle investiere. Und Vertrauen entsteht nicht durch einen Zoom-Call, sondern durch gemeinsame Mittagessen im Zollhof, durch das persönliche Gespräch in einer schwierigen Phase, durch die Erkenntnis, dass jemand wirklich für einen einsteht.

Ein Ort wie der Zollhof schafft genau diese Begegnungen – und macht aus zufälligen Kontakten verlässliche Beziehungen. Das ist der Rohstoff, aus dem gute Investments entstehen.

Wenn wir fünf Jahre nach vorne schauen: Woran würden Sie erkennen, dass ein regionaler VC wie Ihrer den entscheidenden Unterschied gemacht hat?

An drei Dingen: Erstens gibt es dann Start-ups in der Region, die ohne uns nicht entstanden oder nicht hier geblieben wären.

Zweitens sind ehemalige Gründer, die wir begleitet haben – viele davon ursprünglich aus dem Zollhof –, selbst zu Investoren oder Mentoren für die nächste Generation geworden.

Und drittens hat sich das Bewusstsein verändert: Nürnberg wird dann nicht mehr nur als Industrie- und Messestadt wahrgenommen, sondern als Ort, an dem echte Technologieunternehmen entstehen und wachsen.

Zum Abschluss: Was würde die Metropolregion Nürnberg zu einem absoluten „Start-up-Hotspot“ machen?

Ein Hotspot entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor, sondern durch das Zusammenspiel vieler. Die gute Nachricht: Vieles ist bereits da.

Der Zollhof hat bewiesen, dass man hier ein lebendiges Gründerökosystem aufbauen kann. Die Hochschulen liefern Talente und Technologien. Der Mittelstand bringt Branchenwissen und potenzielle Kunden.

Was jetzt fehlt, ist das letzte fehlende Puzzlestück: mutiges, regionales Kapital, das früh investiert und langfristig begleitet. Wenn Zollhof, Hochschulen, Industrie und Investoren wie wir systematisch zusammenarbeiten, hat Nürnberg und die Region Nordbayern alles, was es braucht, um zu einem der spannendsten Start-up-Standorte im deutschsprachigen Raum zu werden.


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Beste Grüße & vielen Dank

Constantin Kaindl

Herausgeber

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