Maison Gabriel erzählt von großen Gefühlen: Verlobung, Liebe, besondere Momente. Doch hinter der Schmuckmarke von Gabriel Kuhnle steckt auch die Frage, wie man modernen Luxus neu denkt – mit Labordiamanten, recyceltem Gold, europäischer Fertigung und digitaler Beratung.
Im Donnerstagsinterview spricht der Juwelier in fünfter Generation über Familientradition, den neuen Showroom in der Kuhnle Gold Boutique in der Nürnberger Kaiserstraße 42 und darüber, warum ein Verlobungsring für ihn kein Investment, sondern ein emotionales Symbol ist.

Wie erklären Sie einer 7-jährigen, was Sie beruflich machen?
Ich bin Juwelier. Das bedeutet, ich arbeite mit Gold, Schmuck und Diamanten, mittlerweile sogar mit Diamanten aus dem Labor. Das Besondere daran: Man kann sie nicht von Diamanten unterscheiden, die aus einer Mine kommen.
Und am Ende helfe ich Menschen dabei, besondere Momente in ihrem Leben festzuhalten. Kurz gesagt: Ich mache Menschen mit Schmuck glücklich.
Sie sind Juwelier in fünfter Generation. Gab es für Sie je einen Moment, in
dem Sie etwas ganz anderes machen wollten?
Ja, definitiv. Mit 16 habe ich ein Praktikum bei einer Bank gemacht und fand das damals unglaublich spannend. Die Bank wollte mich sogar direkt für eine Ausbildung gewinnen. Ich bin damals vom Gymnasium auf die Wirtschaftsschule gewechselt, habe meine Ausbildung in der Bank gemacht und hatte natürlich die typischen Bilder von New York und Wall Street im Kopf. Am Ende hat es zwar nur für Fürth und Erlangen gereicht, aber die Erfahrung war trotzdem prägend.
Was mir dort besonders gefallen hat, war der persönliche Kontakt mit den Kunden. Es war eine kleinere Privatbank, und ich habe gemerkt, wie wichtig individuelle Beratung und langfristige Beziehungen sind. Genau das kannte ich bereits aus unserem Familienunternehmen. Im Grunde habe ich dort verstanden, dass mich nicht die Finanzwelt fasziniert, sondern die Arbeit mit Menschen. Und genau das ist bis heute geblieben.
Ein Verlobungsring ist ein kleines Produkt mit einer riesigen Bedeutung. Was macht es mit Ihnen, wenn Sie Menschen in so einem besonderen Moment begleiten dürfen?
Das macht mir tatsächlich sehr viel Freude. Ich begleite Menschen am Anfang eines neuen Lebensabschnitts. Gerade Männer kommen häufig mit vielen Fragen, Unsicherheiten und dem Wunsch, alles richtig zu machen. Sie dabei zu unterstützen, den passenden Ring zu finden, macht mir großen Spaß.
Immer häufiger entwickeln wir den Ring auch gemeinsam mit dem Paar. So war es erst vergangenes Wochenende wieder. Dann geht es nicht nur darum, ein Schmuckstück auszuwählen, sondern gemeinsam etwas Persönliches zu gestalten.
Dabei entstehen oft sehr schöne Gespräche und besondere Momente. Das ist etwas, das ich an meinem Beruf besonders schätze. Die meisten Anlässe, zu denen Menschen zu mir kommen, sind mit Freude und Liebe verbunden.
Maison Gabriel setzt auf Labordiamanten, recyceltes Gold und europäische Fertigung. War das für Sie von Anfang an eine klare Haltung oder eine unternehmerische Entscheidung?
Ich habe früh erkannt, dass Labordiamanten ein unglaublich spannendes Produkt sind. Für das gleiche Budget bekommen Kunden einen deutlich größeren und häufig auch qualitativ besseren Diamanten. Gleichzeitig sind Labordiamanten chemisch, physikalisch und optisch identisch mit natürlichen Diamanten. Der einzige Unterschied liegt in ihrer Herkunft.
Natürlich hat ein Diamant, der über Millionen Jahre in der Erde entstanden ist, seinen ganz eigenen Reiz und seine eigene Geschichte. Das möchte ich gar nicht kleinreden. Gleichzeitig glaube ich, dass die Branche manche Dinge über Jahrzehnte sehr stark mystifiziert hat. Wenn man sich einmal die internationalen Diamanthandelszentren anschaut, merkt man schnell, dass Diamanten zwar wertvoll, aber nicht so selten sind, wie viele Menschen glauben.
Deshalb finde ich es wichtig, offen und transparent über beide Produkte zu sprechen. Sowohl natürliche Diamanten als auch Labordiamanten haben ihre Berechtigung. Für Maison Gabriel haben wir uns bewusst dafür entschieden, unseren Kunden eine moderne, transparente und preislich attraktive Alternative anzubieten.
Welche Vorurteile zu Labordiamanten begegnen Ihnen am häufigsten?
Das häufigste Vorurteil ist, dass Labordiamanten keinen Wiederverkaufswert hätten. Die ehrliche Antwort lautet: Das stimmt. Allerdings gehört zur Wahrheit auch, dass dies für die meisten natürlichen Diamanten ebenfalls gilt. Wenn wir über den klassischen Verlobungsring sprechen, bewegen wir uns häufig in einem
Budgetbereich von etwa 3.000 Euro. Für dieses Budget bekommt man heute einen Labordiamanten von etwa einem Karat in sehr guter Qualität und einer hochwertigen Ringfassung.
Bei einem natürlichen Diamanten liegt man in derselben Preisklasse oft bei deutlich kleineren Steinen und muss bei Farbe oder Reinheit häufig Kompromisse eingehen. Und selbst diese natürlichen Diamanten lassen sich später auch nicht zu den ursprünglichen Kaufpreisen weiterverkaufen. Ein echter Investmentmarkt beginnt erst bei sehr seltenen Steinen und deutlich höheren Summen oft im hohen fünf- oder sogar sechsstelligen Bereich.
Deshalb sage ich meinen Kunden ganz offen: Ein Verlobungsring ist in erster Linie kein Investment, sondern ein emotionales Symbol. Und wenn ich für das gleiche Budget einen größeren, hochwertigeren Diamanten bekommen kann, dann halte ich Labordiamanten für eine sehr sinnvolle Wahl.
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Mit Maison Gabriel haben Sie bewusst mit einer digitalen Strategie gestartet. Wie kann ein so emotionales Luxusprodukt digital vertrieben werden?
Ich habe dafür eine Beratungsbox entwickelt. Kunden können verschiedene Ringdesigns zu Hause ansehen, anprobieren und anschließend ein persönliches Beratungsgespräch buchen. Das Spannende ist, dass viele Kunden die Box inzwischen direkt an ihren Arbeitsplatz schicken lassen. Viele Gespräche finden dann ganz unkompliziert in der Mittagspause statt. Das zeigt, wie sehr sich das Kaufverhalten verändert hat.
Gleichzeitig habe ich in den letzten anderthalb Jahren erlebt, dass manche Kunden den gesamten Prozess über WhatsApp abwickeln und Verlobungsringe für mehrere Tausend Euro bestellen, ohne jemals mit mir telefoniert oder mich persönlich getroffen zu haben. Das überrascht mich bis heute, weil ich selbst wahrscheinlich anders kaufen würde.
Am Ende kaufen Menschen aber Vertrauen. Sie sehen die Produkte, sie sehen die Marke und sie sehen die Person dahinter. Wenn das Vertrauen da ist, funktioniert auch ein emotionales Produkt digital.
Wie baut man Nähe zum Kunden auf, wenn der erste Kontakt oft online entsteht?
Nähe entsteht durch Persönlichkeit und Erreichbarkeit. Viele Kunden schreiben mir direkt über WhatsApp oder Instagram. Sie sehen meine Inhalte, verfolgen die Entwicklung von Maison Gabriel und bekommen einen Einblick in meine Arbeit. Dadurch entsteht oft schon ein Vertrauensverhältnis, bevor wir überhaupt miteinander sprechen.
Ich glaube, Menschen kaufen heute nicht nur Produkte. Sie möchten wissen, wer dahintersteht und ob die Werte einer Marke zu ihren eigenen passen.
Wie hat sich das Kundenverhalten gerade bei sehr persönlichen Kaufentscheidungen verändert?
Kunden wünschen sich heute mehr Flexibilität und weniger Verkaufsdruck. Früher ging man zum Juwelier und traf die Entscheidung vor Ort. Heute möchten viele Menschen Produkte zunächst in ihrem eigenen Umfeld erleben. Sie schauen sich die Ringe zu Hause an, sprechen mit Freunden oder Familie darüber und treffen ihre Entscheidung in Ruhe.
Die Beratungsbox ist genau daraus entstanden. Sie verbindet die Vorteile des Online-Handels mit der persönlichen Beratung eines Juweliers. Und genau diese Kombination wird sehr gut angenommen.
Was kann eine moderne Schmuckmarke aus unserer regionalen Wirtschaftskultur lernen?
Vor allem langfristiges Denken. Viele Familienunternehmen denken nicht von Quartal zu Quartal, sondern von Generation zu Generation. Das schafft eine andere Perspektive auf Qualität, Kundenbeziehungen und Markenaufbau.
Gerade in der Uhren- und Schmuckbranche sieht man oft den Unterschied zwischen eigentümergeführten Unternehmen und großen Konzernen. Familienunternehmen können langfristiger entscheiden und müssen nicht alle zwei Jahre ihre Strategie oder Identität neu erfinden. Ich glaube, die Stärke unserer Region liegt genau in dieser Kombination aus Beständigkeit, Handwerk, Unternehmertum und der Bereitschaft, sich trotzdem weiterzuentwickeln.
Wo soll Maison Gabriel eher wachsen – im digitalen Geschäft, in der persönlichen Beratung im Showroom oder in neuen Produktlinien?
Ich sehe darin keinen Widerspruch. Das digitale Geschäft bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber. Gleichzeitig habe ich mich ganz bewusst dazu entschieden, zusätzlich ein Geschäft in der Nürnberger Kaiserstraße 42 zu eröffnen.
Ich habe selbst ein Jahr in Westafrika gearbeitet und weiß, wie spannend ortsunabhängiges Arbeiten sein kann. Trotzdem habe ich gemerkt, dass nichts die persönliche Begegnung ersetzt. Ich liebe die Beratung und den direkten Austausch mit Menschen.
Deshalb wird Maison Gabriel künftig beides verbinden: digitale Reichweite und persönliche Beratung. Gleichzeitig werden wir unser Sortiment Schritt für Schritt erweitern – von Verlobungsringen hin zu weiteren hochwertigen Schmuckstücken wie Tennisarmbändern, Ohrsteckern und anderen Fine-Jewelry-Produkten.
Zum Abschluss: Was bedeutet Luxus für Sie persönlich?
Für mich bedeutet Luxus vor allem Qualität. Qualität im Produkt, Qualität in der Beratung und Qualität in der gesamten Erfahrung. Luxus muss für mich nicht zwangsläufig möglichst teuer sein.
Ein luxuriöses Erlebnis kann ein außergewöhnlich gefertigter Ring sein. Es kann aber genauso ein besonderes Hotel, ein gutes Restaurant oder ein perfekter Service sein.
Am Ende geht es für mich darum, etwas mit echter Sorgfalt und Hingabe zu schaffen. Genau das macht für mich modernen Luxus aus.
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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

