Ob Supermarktregal, Online-Bestellung oder Großtransformator für den Export: An den bayernhafen-Standorten Nürnberg und Roth wird sichtbar, wie Warenströme die Wirtschaft der Metropolregion am Laufen halten.
Ingmar Schellhas spricht im Interview mit bürobesuch.de über ein stabiles Geschäftsjahr 2025, wachsende Containermengen, neue Kranbrücken – und die große Frage, wie ein weitgehend ausgebuchter Standort weiter wachsen kann. Es geht um Flächenknappheit, alternative Antriebe, Brückensanierungen, Digitalisierung und darum, warum Logistik trotz KI und Automatisierung ein Jobmotor für die Region bleibt.

Wie erklären Sie einem 7-jährigen Kind, was der bayernhafen in
Nürnberg und Roth macht?
Der bayernhafen ist wie ein riesiger Umschlagplatz für alle Sachen und Dinge, die transportiert werden und schnell ans Ziel kommen müssen – ein bisschen wie ein großer Bahnhof und Hafen, aber nicht nur für Menschen, sondern für alle möglichen Güter und Waren. Bestellst Du zum Beispiel etwas im Internet, so kommt das über den Hafen zu Dir. Kaufst Du im Supermarkt ein, so sind die Waren dort auch alle über den Hafen gekommen. Dies kann mit der Bahn oder auch mit dem Schiff erfolgen.
Wie schließt der bayernhafen das Geschäftsjahr 2025 ab?
Im Großen und Ganzen können wir auf ein gutes Geschäftsjahr 2025 zurückblicken, gespickt mit Herausforderungen im Bereich Wirtschaft und Politik. Im Bahn- und Schiffsbereich sind wir stabil auf Vorjahresniveau. Im Schiffsumschlag ist vor allem ein Rückgang im Bereich der Baustoffe zu verzeichnen, das ist definitiv die Folge der gebremsten Investitionsbereitschaft.
Dicke Brocken wie Großtransformatoren, Maschinen oder Kessel dagegen wurden mit 20 % Zuwachs von Nürnberg in die Welt geschickt. Das Containergeschäft läuft sehr gut, so dass unser Terminalausbau den richtigen Weitblick beweist.
Welche Faktoren tragen aktuell besonders zur positiven Entwicklung in Nürnberg und Roth bei?
Unsere Standorte sind nur so beständig wie die allgemeine Wirtschaftslage und die „Gesundheit“ unserer mehr als 200 Unternehmen am Standort Nürnberg. Hier haben wir ein breites Spektrum an Speditionen, Recyclingunternehmen, Umschlagbetrieben und Kurier-Express-Paket-Dienstleistern, die alle samt einen fantastischen Job machen.
Dazu kommt eine Hafen-Infrastruktur, welche wir stets modernisieren und noch leistungsfähiger machen. In unserem Containerterminal nehmen wir zum Beispiel gerade drei neue Kranbrücken in Betrieb, welche nicht nur schneller, sondern auch höher und breiter sind. So sind wir für wachsende Containermengen gewappnet.
Vor welchen Herausforderungen steht der bayernhafen derzeit?
Unsere größte Herausforderung ist die fehlende Flächenverfügbarkeit und die damit gebremste Weiterentwicklung. Unser Standort ist fast vollständig ausgebucht und wir haben keine Erweiterungsmöglichkeiten über die Grenzen hinaus. So setzen wir auf eine intelligente Flächenplanung und können ggf. nur in die Höhe weiter wachsen, wie durch die Realisierung von platzsparenden Parkdecks oder den Bau von mehrstöckigen Logistikimmobilien.
Gleichzeitig heißt es CO₂-Emissionen zu reduzieren und wertvolle Ressourcen zu schonen. So haben wir im Hinblick auf Elektromobilität und den Einsatz von E-Fahrzeugen den zeitnahen Bedarf an entsprechender Energieleistung und verfügbarer Ladeinfrastruktur, welche es zeitnah zu entwickeln gilt. Hier arbeiten wir eng mit unseren Unternehmen sowie dem örtlichen Energieversorger zusammen.
Im nahen Umfeld haben wir derzeit mit der Erneuerung der drei relevanten Hafenbrücken ein Großprojekt, welches uns und die zuständigen Stellen bei der Stadt Nürnberg fordert. Die Logistik lebt von fließenden Verkehren, so dass wir eng mit den Projektverantwortlichen zusammenarbeiten, um
Engpässe oder sogenannte Bottle Necks bestmöglich zu vermeiden oder schnell zu beheben.
Welche Rolle spielen die Standorte Nürnberg und Roth im gesamten Netzwerk?
Zu bayernhafen gehören mittlerweile sieben Standorte. Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg, Roth, Regensburg, Passau und neu im Portfolio der Industriepark Plattling Stephansposching. Wir sprechen immer von einer Perlenkette mit Anbindung an Wasser und Schiene. Jede Perle, also jeder Standort hat seine Stärken, so ergänzen wir uns innerhalb von bayernhafen ideal.
Nürnberg zählt zu Europas wichtigsten Güterverkehrs- und Logistikzentren und spielt eine bedeutende Rolle im Import und Export von Gütern in und aus der Metropolregion Nürnberg.
Innovation Festival 2026: Frankens Startup-Szene trifft sich in Fürth

Franken steht seit jeher für Pioniergeist: Von der ersten Eisenbahn zwischen Fürth und Nürnberg bis zur heutigen Startup-Region ist Innovation ein Teil der regionalen DNA. Am 15. Juli 2026 bringt das INNOFEST26 diese Energie in der Stadthalle Fürth zusammen.
Das Innovation Festival 2026 von START Nuremberg richtet sich an Gründerinnen und Gründer, Studierende, Investoren, Unternehmen und alle, die die Zukunft der Metropolregion mitgestalten möchten. Die Vision: Menschen, Ideen und Momentum verbinden, denn die Region ist voller Innovatoren – und viele davon haben sich noch nie getroffen.
Auf dem Programm stehen unter anderem Startup Fair, Networking, Keynotes, Workshops, ein Live Podcast sowie das Finale des Frankens Startup-Kärwa Award. Im Fokus stehen echte Connections, neue Chancen und die Frage, was die Innovationsregion Franken gemeinsam aufbauen kann.
👉 INNOFEST26
⏰ 15. Juli 2026, 13 bis 20 Uhr
📍 Stadthalle Fürth
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Welche Trends prägen aktuell die Logistik- und Hafenbranche?
Ganz klar spielen alternative Antriebsformen wie Wasserstoff, HVO und Elektroantriebe eine große Rolle, aber fordern die Unternehmen auch. Wo geht die Reise hin? Wie entwickeln sich die Energiepreise und die Anschaffungskosten? Hier gibt es viele Szenarien, aber auch viel Unsicherheit.
Zudem bedarf es hoher Investitionen, auch wenn es teilweise staatliche Förderprogramme gibt. Die Energiethemen spielen aber auch im Immobilienbereich eine große Rolle und erfordern nachhaltige Konzepte im Bau und im Betrieb der Anlagen.
Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und Digitalisierung für Ihre Arbeit?
Wie bereits gesagt, spielen CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen in Transport, Lagerung und Verpackung dauerhaft zu minimieren eine große Rolle. Um hier effizient zu handeln, werden natürlich auch digitale Lösungen eingesetzt. Der Einsatz von KI und intelligenter Software zur Routenoptimierung, Vermeidung von Leerfahrten und Prozessautomatisierung ist unabdingbar. Dennoch wird keine KI Menschen in der Logistik vollkommen ersetzen, sondern nur sinnvoll ergänzen.
An unserem Standort arbeiten für die 200 ansässigen Unternehmen mehr als 8.000 Menschen. Eine von uns zuletzt durchgeführte Studie hat erneut gezeigt, dass trotz hochentwickelter Systeme ein Beschäftigungswachstum zu verzeichnen ist. Die Logistik ist und bleibt ein Jobmotor und bietet ein buntes Portfolio an Berufsbildern.
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Constantin Kaindl
Herausgeber

