Pascal Brochier ist Unternehmer und Visionär im Handwerk. Als Teil eines traditionsreichen Familienunternehmens treibt er die digitale Transformation der Gebäudetechnik konsequent voran – von vernetzter Haustechnik über Künstliche Intelligenz bis hin zu Predictive Maintenance. Sein Fokus liegt darauf, Handwerk effizienter, zukunftsfähiger und gleichzeitig menschlich zu gestalten.
Im Interview mit Bürobesuch.de spricht er darüber, wie digital Handwerk heute schon sein kann, warum Technologie für ihn kein Selbstzweck ist und wie sich das Berufsbild des Handwerkers durch KI und Automatisierung verändert.
Außerdem erklärt er, welche Rolle seine eigene Lebensgeschichte für seinen Führungsstil spielt – und wie er einer 7-Jährigen beschreibt, was er eigentlich beruflich macht.

Wie erklären Sie einer 7-Jährigen Ihren Beruf?
„Ich bin Chef von einer Firma, die überall Klos, Heizungen und ganze Bäder einbaut: Im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein und bei dir Zuhause.“
Sie selbst galten als „schwarzes Schaf“ in Ihrer Jugend und haben sich zum Visionär entwickelt. Wie sehr prägt diese persönliche Geschichte Ihren Führungsstil heute?
„Alle Menschen kommen als Rohling auf die Welt und werden von jemandem gebrannt. Nicht nur von Personen, sondern auch von ihrem sozialen Umfeld, ihrer Perspektive und ihren finanziellen Rahmenbedingungen. Meine CD ist ein Mix aus Klassik, 60er Rock, Italo Pop & Street Rap. Das ist zwar ein wilder Mix, der im Kontrast steht, aber dafür kann ich mit einer sehr diversen Gruppe von Menschen Musik hören, ohne mich unwohl zu fühlen.
Anders gesagt, ich bin auch nur die Summe meiner Erfahrungen, aber die durfte ich glücklicherweise aus einer sicheren Position heraus machen, und mit den unterschiedlichsten Menschen, Altersgruppen, Gesellschaftsschichten und Kulturen teilen. Obwohl ich aus einem wohlhabenden Elternhaus komme, was ein großes Privileg ist, durfte ich einen großen Teil meiner Kindheit bei meinen italienischen Zieh-Großeltern in St. Leonhard verbringen, was im kompletten Gegensatz zu meinem Zuhause im gehobenen Vorort stand.
Trotzdem war es eine der schönsten Zeiten meines Lebens, mit Kindern aus allen Herkunftsländern im Innenhof Fußball zu spielen. Man kann sich das ungefähr so vorstellen wie in der alten Barilla Werbung, als die Oma „Federiiiiiico“ aus dem Fenster gerufen hat, weil es Essen gibt. Trotz einfacher Verhältnisse war es selbstverständlich, dass die Freunde auch zum Essen eingeladen waren. So lernt man Großzügigkeit, Bescheidenheit, Offenheit und erlangt interkulturelle Kompetenz. Ich verstehe auch die Bedeutung von Religion für die Gastarbeiter-Generation und ihre Nachkommen, egal ob streng katholisch oder muslimisch.
Meine Mama ist selbst aus Tschechien nach Deutschland gekommen, so habe ich die Integration auch an ihren Erfahrungen miterlebt. Als Kind des ehemaligen Ostblocks und aus sehr einfachen Verhältnissen stammend hat sie mich weitere essenzielle Lektionen fürs Leben gelehrt. Auch wenn sie es damals nicht ganz so entspannt gesehen hat, dass ich auf der Hauptschule gelandet und nur über Umwege (Ausbildung, BOS) zum Master-Abschluss gekommen bin, hat es sich im Nachhinein als Vorteil herausgestellt.
Die meisten unserer Monteure kommen auch von der Hauptschule, ich kann mich also gut in ihre Lage hineinversetzen, genauso wie ich es bei den fleißigen Realschülern kann, die unbedingt über den 2. Bildungsweg ihr Abi nachholen wollen. Ich kann alle Azubis verstehen, die keinen Bock haben und schlechte Noten schreiben, genauso wie alle Studenten, die Ambitionen auf eine große Karriere hegen.
Ich weiß wie es ist, wenn man während der Ausbildung zuhause wohnt, endlich auszieht, um dann festzustellen, dass man seinen Lebensstandard empfindlich senken muss, um über die Runden zu kommen. Ich verstehe die Lage junger Menschen, die viel lernen und gleichzeitig viel arbeiten müssen, nur um einen höheren Bildungsabschluss zu bekommen, in der Hoffnung, in dem ganzen Akademikerwahn trotzdem einen gut bezahlten Job zu finden.
In unserem Familienunternehmen kann ich jeden Menschen verstehen, unabhängig von seiner Herkunft, Religion, Gesinnung und Hierarchieebene, und das alles auf Basis persönlicher Erfahrung, was ein immenser Vorteil in der Führung dieser Menschen ist.“
Sie haben sich früh mit Themen wie Predictive Maintenance und KI beschäftigt. Was hat Sie dazu gebracht, solche Technologien ins Handwerk zu holen?
„Ausschlaggebend für dieser Transfer war sicherlich mein Studiengang ‚Digitales Management‘ an der FOM. Dort musste ich mir Gedanken machen, wie man auf Basis seiner Kompetenzen ein digitales Geschäftsmodell aufsetzen kann, mit dem aktuellen Stand der Technik.
Der Key Moment war sicherlich der Zeitpunkt, an dem ich mich zum ersten Mal mit Predictive Maintenance, also prädiktiver Instandhaltung, beschäftigt habe. Dieses Thema ist in der Industrie Schnee von gestern, aber eben nicht im Handwerk. Ich finde somit eine bereits markterprobte Idee in einer ungenutzten Nische vor, von da an musste ich nur noch 1 und 1 zusammenzählen.
Zusammengefasst: Bisher Planen, Realisieren und Betreiben wir Gebäudetechnik, zukünftig werden wir sie vernetzen und prädiktiv analysieren.“
Unternehmerisch denken – vorausschauend handeln: Nachfolge strategisch planen

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer in der Metropolregion Nürnberg stellen sich früher oder später die Frage: Wie sichere ich die Zukunft meines Unternehmens? Die Antwort lautet: mit einer klaren, durchdachten Nachfolgeregelung. Die VR TeilhaberBank unterstützt bei genau diesem Schritt – umfassend, persönlich und mit einem tiefen Verständnis für die besonderen Herausforderungen des Mittelstands.
Ob Betriebsübertragung zu Lebzeiten oder Nachfolge im Erbfall – zentrale Aspekte wie rechtliche Rahmenbedingungen, steuerliche Effekte und familiäre Dynamiken werden in einem strukturierten Prozess beleuchtet. Ziel ist es, sowohl das Unternehmen als auch den Unternehmer abzusichern. Denn: Eine unklare Nachfolge gefährdet nicht nur den Fortbestand des Betriebs, sondern oft auch den Familienfrieden.
Die VR TeilhaberBank bringt Fachwissen, Erfahrung und ein Netzwerk aus Expertinnen und Experten zusammen, um maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln. Mit einer frühzeitigen Nachfolgeplanung wird Klarheit geschaffen – und die Grundlage für eine zukunftsfähige Unternehmensführung gelegt.
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Wenn Sie sagen „Handwerk digital“, was bedeutet das konkret für die tägliche Arbeit Ihrer Mitarbeitenden auf den Baustellen?
„Unsere Monteure werden von ihrem smarten Endgerät aus auf einen nie dagewesenen Wissenspool zugreifen können, der mittels unserer eigenen KI alle relevanten Informationen über die Anlage und den Bau dieser Anlage aufbereiten wird, inklusive Quellenverzeichnis, auf 30 verschiedenen Sprachen.
Wir haben uns quasi ein eigenes ChatGPT gebaut, dass über unsere eigenen Server läuft, auf auswählbarer Basis aller gängigen Sprachmodelle. Unser KI-Modell hat auch einen Namen: „Cyberpaul“, was eine Hommage an meinen Ur-Ur-Großvater und Gründer Paul Brochier ist. Der Cyberpaul zieht sich die Informationen sowohl aus dem Internet, als auch aus unserer gesamten Projektdatenbank.
Natürlich kann ein Nutzer nur auf Informationen zugreifen, für die eine entsprechende Benutzerfreigabe vorhanden ist. Die Monteure sind also nur eine von vielen Anspruchsgruppen, die Zugang zu einem speziellen Wissen haben werden. Zukünftig ist es möglich, dass Geschäftsführer auf das gesamte Wissen zugreifen können, und die Mitarbeiter nur auf bestimmte Bereiche. Dabei öffnen wir unsere Plattform auch für unsere Kunden, Subunternehmer und Lieferanten, je nach Benutzergruppe mit unterschiedlichen Berechtigungen auf unterschiedliche Bereiche.
Das war es aber noch nicht, der Cyberpaul hat zum weiteren auch Zugriff auf einen zweiten Datenpool: Die Sensordatenbank, bestehend aus Gegenwarts- und Vergangenheitsdaten unserer vernetzten Gebäudetechnik, die wir für Predictive Maintenance brauchen. Somit verknüpft die KI beides und kann nicht nur Informationen aus Bildern, Videos und Dokumenten aufbereiten, sondern auch Aussagen über den aktuellen und/oder zukünftigen Stand der Anlage treffen.
Man kann als Laie den Cyberpaul einfach fragen, wie es seiner Heizung geht und wann es ein Problem geben könnte, was sie aktuell kostet und was man selbst tun könnte, falls es zum Problem kommt. Wir als Handwerker bekommen eine Push-Benachrichtigung, wenn wir ein Problem live feststellen oder die KI uns eines in der Zukunft prognostiziert, natürlich nur mit der Wahrscheinlichkeit x. Daraufhin können wir rechtzeitig Material bestellen, Personal planen, ein Angebot machen und uns nach dem Wunschtermin des Kunden richten. Sogar die Bezahlung kann zukünftig über die Plattform erfolgen, egal ob mit Klarna, PayPal, ApplePay oder Bitcoin.
Das alles ist jedenfalls besser als der bisherige Klassiker: Problem mit der Heizung, Handwerker anrufen, der kommt aber erst morgen, dann mit dem falschen oder gar keinem Ersatzteil, was er entweder beim Händler schnell kaufen geht oder noch beim Hersteller bestellen muss. Wir drehen den Prozess um 180 Grad um, agieren statt reagieren, lösen Probleme bevor sie entstehen. Wir bieten die Plattform, das Wissen und den Handwerker, alles aus einer Hand.“
Wie verändert Digitalisierung das Berufsbild im Handwerk? Wird der klassische Handwerker bald Programmierkenntnisse brauchen?
„Das Berufsbild des Handwerkers wird zukünftig mehr digitale Kompetenzen im Umgang mit Hard- und Software erfordern. Erfahrungswissen ist Gold wert, reines Fachwissen wird durch die KI ersetzt werden, genauso wie das Programmieren selbst.
Handwerker werden nicht programmieren müssen, sie sind in der Kette wegfallender Berufe durch Digitalisierung und Technologisierung als letztes dran somit am sichersten.
Sie sind aber genauso wie ganze Unternehmen nicht von der rasanten Entwicklung sicher, die sie zwingt, sich ständig an die neuesten Fortschritte anpassen zu müssen, um effizient und produktiv genug zu bleiben.
Das Handwerk wird erst dann disruptiert, wenn humanoide Roboter so weit entwickelt sind, dass sie jeden Handgriff besser beherrschen als der Mensch. Schaut man sich die wackeligen Haushaltsroboter in Asien an, ist die einzige Frage in diesem Zusammenhang nicht ob, sondern wann das der Fall sein wird. Und diesen Tag werde ich ganz sicher noch erleben.“
Nürnberger Unternehmer-Kongress: Impulse & Austausch am 19. Januar 2026

2026 verlangt klare Entscheidungen. Nicht irgendwann, sondern jetzt.
Genau dafür bringt der Nürnberger Unternehmer-Kongress (NUK) am 19. Januar 2026 Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte zusammen, die Verantwortung tragen und den Austausch auf Augenhöhe suchen.
Der NUK ist kein klassischer Kongress. Er ist ein Arbeitstag für Kopf und Haltung. Einer, der Orientierung schafft, Perspektiven öffnet und hilft, Komplexität einzuordnen.
Auf der Bühne geben Bernd Krebs (toolcraft), Prof. Dr. Maximilian Lude und Stefan Leitz (Faber-Castell) Einblicke in ihr Denken und Handeln.
Der zusätzliche Mehrwert entsteht im Dialog. Sieben Gesprächskreise gehen gezielt in die Tiefe: Unternehmensbewertung und Nachfolge, KI und AI-Coaching, Führung, Kultur, Sportsponsoring sowie Venture Capital und Zukunftstechnologien. Sie diskutieren mit Menschen, die ähnliche Fragen bewegen – offen, konzentriert und ohne Umwege.
Was Sie mitnehmen, wirkt über den Tag hinaus: Klarheit für anstehende
Entscheidungen, neue Blickwinkel und Kontakte, die auch danach tragfähig bleiben. Genau diese Mischung macht den Nürnberger Unternehmer-Kongress zu einem festen Termin für viele Entscheiderinnen und Entscheider aus der Region.
Das Tagesticket beinhaltet außerdem den Zugang zum Neujahrsempfang der
mittelständischen Wirtschaft (NJE) am Abend.
Der Kongress findet am 19. Januar 2026 im NCC OST der NürnbergMesse statt. Anmeldeschluss ist der 14. Januar 2026.
Können digitale Lösungen auch dabei helfen, den Fachkräftemangel im Handwerk abzumildern?
„Ja, die Nutzung des vollen Potenzials digitaler Lösungen führt dazu, dass man für dieselbe Arbeit weniger Personal benötigt. Das scheitert aber in den allermeisten Fällen am Menschen, der die digitale Lösung erstmals oder umfangreicher nutzen soll.
In einer ersten Welle werden zunächst Vakanzen nicht mehr nachbesetzt werden. Erst in der zweiten Welle werden nur noch die Menschen in einem Unternehmen beschäftigt sein, die zwar noch überwiegend Verwaltungsleistungen erbringen, aber vollumfänglich digitale Tools nutzen und dadurch signifikant effizienter und/oder produktiver sind.
Vermutlich wird es noch mehr Wellen geben, aber sicher ist, dass ständige digitale Veränderung das neue Normal ist. Wer sich dieser Weiterentwicklung verweigert, wird auf das bedingungslose Grundeinkommen hoffen müssen.“
Gibt es eine Innovation, die Sie persönlich im Handwerk gerne noch erleben würden?
„Nein, weil der Tag, an dem der Monteur durch einen humanoiden Roboter ersetzt werden kann, der Tag ist, an dem der DNA-Strang unseres Familienunternehmens durch Einsen und Nullen ersetzt werden würde.
Das mag nicht das Ende des Unternehmens sein, aber es ist das Ende des Erfolgsfaktors Mensch. Es waren Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg das Firmengelände wiederaufgebaut haben, nicht die Roboter.
Wären diese Menschen, die überlebende Mitarbeiter waren, damals nicht freiwillig wieder zu meinem Opa zurückgekommen, gäbe es uns gar nicht mehr.
Deshalb werde ich dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter nicht durch die KI oder Roboter ersetzt werden, sondern ergänzt. Ich verweigere mich nicht der digitalen Zukunft, aber ich weigere mich zu vergessen, wem ich das alles zu verdanken habe.“

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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

