Portrait

„Wenn ein UFO landet, fragen wir: Braucht ihr Jobs?“

Bürobesuch-Herausgeber Constantin Kaindl spricht im Interview mit den beiden Köpfen an der Spitze des Personaldienstleisters Hofmann Personal, Ingrid Hofmann und Sonja Heinrich, über unternehmerische Resilienz, internationale Herausforderungen, Familienbande – und den Anspruch, ein Unternehmen zu führen, das Haltung zeigt und Werte lebt.

Sonja Heinrich (links) und Ingrid Hofmann, Tochter und Mutter, verbunden durch die Leidenschaft für das Unternehmen und gemeinsame Werte.

Wenn Ingrid Hofmann über ihren ersten Kundenbesuch spricht, schwingt auch Jahrzehnte später noch die Entschlossenheit mit, die sie seit jeher auszeichnet: „Ich war furchtbar aufgeregt, das Gespräch mit zwei Personalprofis war aufgrund meiner Unerfahrenheit schweißtreibend, aber trotzdem erfolgreich. Noch am selben Nachmittag habe ich von diesem Unternehmen den Auftrag über den Einsatz einer Buchhalterin bekommen.“

Heute steht sie an der Spitze von Hofmann Personal, einem der größten deutschen Personaldienstleister. An ihrer Seite: Tochter Sonja Heinrich, Prokuristin und Mitglied des Executive Committees, die das Auslandsgeschäft verantwortet – vor allem in den USA.

Was diese Konstellation so besonders macht, zeigt sich nicht nur im gemeinsamen Lachen der beiden, sondern auch im gegenseitigen Respekt: Zwei Unternehmerinnen, zwei Generationen, ein klarer Wertekompass.

Ingrid Hofmann, Gründerin und Geschäftsführerin von Hofmann Personal.

Vom Südafrika-Traum zur Gründung

Ingrid Hofmanns Weg begann mit einem ganz anderen Ziel: „Ich wollte nach Südafrika – das war mein Kindheitstraum.“ Ihre Ausbildungsanzeige formulierte sie damals entsprechend offensiv: Ausbildungsstelle gesucht – mit Option auf Südafrika. Das Unternehmen Florimex aus Nürnberg wurde fündig. Dort lernte sie nicht nur den internationalen Blumenhandel kennen, sondern auch die Welt der Orchideen, die sie bis heute begeistert. Doch der Traum platzte – politische Umstände machten die Reise unmöglich.

Constantin Kaindl, Herausgeber bürobesuch.de, im Gespräch mit Ingrid Hofmann und Sonja Heinrich.

Die Umorientierung führte sie in die Personalabteilung, später in die Personaldienstleistung. Als Angestellte übernahm sie in kurzer Zeit immer mehr Verantwortung. Der Schritt in die Selbstständigkeit folgte nicht aus einem Freiheitsdrang, sondern aus Enttäuschung über mangelnde Entwicklungschancen. „Ich wollte gestalten. Und ich wollte eine Firma, in der Frauen Karriere machen können“, erinnert sie sich.

1985 gründete sie Hofmann Personal – zunächst mit der Idee, ausschließlich Frauen zu beschäftigen. „Das habe ich immerhin ein Dreivierteljahr durchgehalten“, lacht sie. Heute beschäftigt das Unternehmen international rund 15.000 Mitarbeitende und gehört zu den führenden Personaldienstleistern in Deutschland.

Die nächste Generation: Sonja Heinrich

Sonja Heinrichs Weg in das Familienunternehmen war keineswegs vorgezeichnet. Sie studierte in England, Spanien, München und an der renommierten Bocconi in Mailand. Den Berufseinstieg machte sie bei einem Wettbewerber – bewusst außerhalb des elterlichen Netzwerks. „Ich wollte es alleine schaffen.“ In der Personalvermittlung für Fach- und Führungskräfte lernte sie das Geschäft von der Pike auf. Erst 2016 wechselte sie zu Hofmann Personal – und übernahm zwei Jahre später die krisengebeutelte US-Tochtergesellschaft. „Es war die härteste Zeit – aber auch die prägendste. Ich hatte keine Wahl, außer, dass es funktioniert.“

Die kulturellen Unterschiede sind heute ihr Alltag. In den USA führt sie Teams emotionaler, arbeitet mit Bildern und „Challenges“, wie sie sagt. Eine typisch deutsche Direktheit komme dort nicht gut an. Was sie antreibt? „Ich arbeite für ein Unternehmen, das meine Werte lebt – das empfinde ich als echtes Privileg.“

Unternehmerisches Denken und Handeln

Beide Unternehmerinnen eint der Anspruch, sich stetig weiterzuentwickeln. Ingrid Hofmann sagt: „Ich war immer ,Herr‘ des Prozesses.“ Entscheidungen trifft sie fundiert, aber auch intuitiv. Und sie scheut sich nicht, Verantwortung abzugeben. Was sie und Sonja Heinrich verbindet, ist der Wille, Dinge besser zu machen – für Mitarbeitende wie für Kunden.

Eines ihrer stärksten Projekte ist das Engagement im Sport. Seit über 30 Jahren unterstützt das Unternehmen Vereine, angefangen bei den Handballerinnen des 1. FC Nürnberg bis hin zum aktuellen Hauptsponsoring bei der SpVgg Greuther Fürth. Auch international setzt sich das Unternehmen ein: In den USA ist Hofmann Personal Partner der Atlanta Falcons aus der NFL. Der Sport sei Teil der Unternehmenskultur, sagen beide – als Identifikationsangebot, aber auch als Plattform, um gesellschaftliche Themen wie Vielfalt und Integration sichtbar zu machen.

Herausforderung Fachkräftemangel

Angesprochen auf unternehmerische Herausforderungen, betonen beide die Dynamik der letzten Jahre. Pandemie, Krieg, Inflation – und dennoch: „Wenn morgen ein UFO landet, fragen wir: Braucht ihr Jobs?“ Ingrid Hofmann sagt das mit einem Augenzwinkern, meint es aber ernst. Resilienz sei heute eine Schlüsselkompetenz. „Jedes Jahr bringt eine neue Hürde“, sagt sie. Und das müsse man als Normalzustand akzeptieren lernen.

Frauen in Führung

Mehr Frauen in Führungspositionen – ein Anliegen, das beide teilen. „Aber wir wollen keine bestimmenden Frauen, die alles opfern“, so Ingrid Hofmann. Es brauche bessere Strukturen, Kinderbetreuung, aber auch ein Umdenken in den Unternehmen. „Und Frauen müssen ihre Ansprüche klar benennen – nicht warten, bis sie in der Sänfte in eine Führungsposition getragen werden.“

Sonja Heinrich ergänzt: „Führung heißt heute auch, authentisch zu bleiben – gerade in schwierigen Zeiten. Da hilft es, wenn man als Chefin auch mal sagt: Für heute kündige ich. Morgen komme ich aber wieder.“

Heimat mit Potenzial

Beide sind fest in der Region verwurzelt. Ingrid Hofmann beschreibt Nürnberg als Standort mit Lebensqualität, aber auch mit Nachholbedarf in puncto Sichtbarkeit. Sonja Heinrich hebt die Entwicklung durch UTN, ZOLLHOF und neue Startups hervor – und mahnt gleichzeitig: „Die Fachkräfte von morgen sprechen nicht alle Deutsch. Wir brauchen eine Willkommenskultur.

Was bleibt nach dem Gespräch? Der Eindruck zweier Unternehmerinnen, die nicht nur ihr Geschäft verstehen, sondern Haltung zeigen. Persönlich, engagiert, zukunftsorientiert. Ein Familienunternehmen – modern gedacht.

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