Impuls

„Wie setzt die NÜRNBERGER Versicherung KI sinnvoll ein, Robert Jung?“

Im Interview mit Bürobesuch.de erklärt Robert Jung, Leiter Learning & Development bei der NÜRNBERGER Versicherung, wie KI in dem Traditionsunternehmen messbaren Nutzen bringt – von realistischen Gesprächssimulationen im Training über produktivere Textarbeit bis hin zur Betrugserkennung bei Schadenbildern.

Gleichzeitig setzt die NÜRNBERGER klare Leitplanken: KI soll unterstützen, nicht entscheiden – Verantwortung bleibt immer beim Menschen. Warum Governance, Qualifizierung und Transparenz dabei entscheidend sind, erläutert Jung im Gespräch.


Wie würden Sie einer 7-Jährigen erklären, was Sie beruflich machen?

Ich sorge dafür, dass ganz viele Erwachsene in unserer Firma jeden Tag ein bisschen schlauer werden. Ich helfe ihnen zu lernen, wie sie ihre Arbeit besser machen können – zum Beispiel wie sie mit Kunden sprechen oder wie neue Computerprogramme funktionieren. Und wir haben sogar digitale Trainingspartner, mit denen man üben kann, fast wie ein Computerspiel.

Welche KI-Anwendungsfälle liefern bei der NÜRNBERGER heute schon messbaren Nutzen?

1. KI-gestützte Gesprächssimulationen im Training: Wir nutzen KI für realistische Kunden- und Mitarbeitergespräche im Training.
Messbarer Nutzen:

  • Schnellere Kompetenzentwicklung
  • Höhere Trainingsfrequenz
  • Deutlich bessere Vorbereitung auf reale Kundensituationen

2. Generative KI im Arbeitsalltag: Unterstützung bei Texten, Konzepten, Präsentationen, E-Mails.
Messbarer Nutzen:

  • Zeitersparnis von 20–40 % bei Routineaufgaben
  • Qualitätssteigerung durch strukturiertere Ergebnisse

3. Bildbetrugserkennung mit KI: Unterstützung bei nachbearbeiteten Schadenbildern.
Messbarer Nutzen:

  • Schadenkostenquote sinkt

Wo liegen aktuell noch Grenzen – und wie gehen Sie damit um?

Wir sehen KI nicht als Ersatz, sondern als Assistenzsystem. Grenzen liegen vor allem in:

  • Datenqualität
  • Halluzinationen bei generativer KI
  • Rechtlichen Rahmenbedingungen
  • Akzeptanz im Team

Unser Umgang damit:

  • Klare Governance und Leitplanken
  • Human-in-the-Loop-Prinzip (Anm. der Redaktion: Menschen werden aktiv in automatisierte Prozesse eingebunden. Die KI agiert autonom, pausiert jedoch an kritischen Punkten, um eine menschliche Überprüfung, Korrektur oder Freigabe zu erhalten.)
  • Schulungen zur KI-Kompetenz
  • Transparente Kommunikation über Chancen und Risiken

Wie stellen Sie sicher, dass KI unterstützt, aber Verantwortung beim Menschen bleibt?

Gerade in sensiblen Bereichen wie Schaden oder Risikoprüfung gilt: Die finale Entscheidung trifft immer ein Mensch. KI kann strukturieren, priorisieren, analysieren – aber nicht verantworten. Wir haben dafür drei Grundprinzipien, an denen wir uns orientieren:

  • Klare Verantwortungszuordnung.
  • KI gibt Empfehlungen, keine finalen Entscheidungen.
  • Transparenz über Funktionsweise und Grenzen.

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Welche Rolle spielt Generative KI – und wo ziehen Sie klare Linien?

Generative KI ist Co-Pilot – kein Autopilot. Generative KI ist bei uns ein Produktivitätsbooster – vor allem im Wissensmanagement und Weiterbildung. Klare Linien ziehen wir bei:

  • Verarbeitung sensibler personenbezogener Daten ohne Absicherung
  • Inhalten ohne menschliche Qualitätskontrolle

Wie organisieren Sie KI intern? Wie verhindern Sie Wildwuchs?

Wildwuchs verhindern wir durch Transparenz, interne Austauschformate und eine klare strategische Einbettung. Wir setzen auf drei Ebenen:

1. Zentrale Leitplanken & Governance: Klare Regeln, Datenschutz, Compliance, IT-Sicherheit.

2. Qualifizierungsoffensive: Mitarbeitende lernen, wie sie KI sinnvoll und verantwortungsvoll nutzen.

3. Use-Case-orientiertes Vorgehen: Keine Spielwiese ohne Ziel – jeder Einsatz braucht Business-Nutzen.

Was müssen Mitarbeitende lernen – und wie nehmen Sie Angst?

Mitarbeitende brauchen vor allem:

  • KI-Grundverständnis
  • Prompting-Kompetenz
  • Kritisches Prüfen von Ergebnissen
  • Verständnis für Daten & Verantwortung

Zum Thema Angst: Wir sprechen offen darüber. KI ersetzt keine Menschen – sie verändert Tätigkeiten. Unser Fokus liegt auf Befähigung. Wer KI beherrscht, wird relevanter – nicht überflüssig.

Wie messen Sie Erfolg?

Bei uns gibt es kein KI-Projekt ohne klare Zielkennzahl. Wir nutzen eine Mischung aus:

  • Zeitersparnis
  • Nutzungsraten
  • Qualitätskennzahlen
  • Kompetenzmessungen im Training
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Business Impact (z. B. Abschlussquoten nach Trainings)

Was sind die wichtigsten ersten Schritte bei der Implementierung von KI-Projekten?

Nicht mit Technologie starten – sondern mit einem Problem. Fragen Sie:

  • Wo verlieren wir heute Zeit?
  • Wo sind Qualitätsprobleme?
  • Wo fehlt Skalierbarkeit?

Dann klein anfangen, messbar testen und schnell lernen.

Zum Abschluss: Was sind die drei häufigsten Fehler beim Start von KI-Projekten?

1. Hype statt Strategie → Lösung: Klare Zieldefinition.

2. Keine Schulung der Mitarbeitenden → Lösung: Qualifizierung von Anfang an.

3. Kein Ownership-Modell → Lösung: Klare Verantwortlichkeiten.


Sie haben eine Empfehlung für einen Interviewpartner für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an presse@buerobesuch.de.

Wie hat Ihnen unser Interview gefallen? Schreiben Sie Ihr Feedback gerne an constantin.kaindl@buerobesuch.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

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Beste Grüße & vielen Dank

Constantin Kaindl

Herausgeber

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