Gründen in Mittelfranken? Für Thorsten Weich, zuständig für die Bereiche Gründungsberatung und Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, entscheidet sich Erfolg selten an der Idee – sondern an Mut, Planung und Marktnähe.
Im Interview mit Bürobesuch.de zeichnet er das Bild einer Region mit starker Hochschul- und Industriebasis, wachsender Start-up-Dynamik und immer professionellerer Unterstützung. Er erklärt, warum Netzwerke oft wichtiger sind als Förderprogramme, weshalb Mittelfranken bei Talenten punktet und wieso Gründer sich „in die Idee verlieben, aber den Kunden heiraten“ sollten.

Wie würden Sie einer 7-Jährigen erklären, was Sie beruflich machen?
Ich helfe Menschen, die ihr eigenes Geschäft aufmachen möchten, damit sie alles gut vorbereiten und nichts Wichtiges vergessen.
Wie beschreiben Sie die Gründungslandschaft in Mittelfranken?
2025 stieg die Gründungsaktivität bundesweit deutlich: Laut dem Next Generation Report des Deutschen Startup-Verbands lagen die Start-up-Gründungen 29 % über dem Vorjahr, besonders in den Bereichen Software und Künstliche Intelligenz. Bayern bleibt ein führender Startup-Standort. Offizielle Zahlen für Mittelfranken fehlen, doch die Region profitiert spürbar von der bundesweiten Dynamik.
Mittelfranken bietet hervorragende Voraussetzungen: leistungsfähige Hochschulen, internationale Unternehmen und ein dichtes Netzwerk an Beratungsangeboten fördern eine lebendige Gründerlandschaft. Technologie- und wissensbasierte Start-ups sind hier oft gut vorbereitet und professionell begleitet.
Bei klassischen Gründungen wie in Gastronomie oder Einzelhandel ist die fachliche Erfahrung hoch, während die betriebswirtschaftliche Planung variiert. Insgesamt ist die Gründerlandschaft in Mittelfranken stabil, gut vernetzt und qualitativ stark. Die vorhandenen Strukturen schaffen eine solide Basis für nachhaltige Gründungen.
Was hat sich für Gründende in der Region verbessert oder verschlechtert?
Die Unterstützungslandschaft in Mittelfranken hat sich professionalisiert und ausgeweitet. Die Region bietet viele Beratungs-, Förder- und Netzwerkangebote, besonders für technologieorientierte Start-ups. Gründende profitieren heute stärker von Know-how, Coaching und Netzwerken. Doch viele kennen diese Angebote nicht oder finden sie unübersichtlich. Die Herausforderung liegt in der Transparenz und Zugänglichkeit.
Die Qualität der Gründungsvorbereitung hat sich verbessert, besonders bei technologieorientierten Start-ups. Geschäftsmodelle werden häufiger getestet, Finanzpläne realistischer erstellt und Beratung frühzeitig genutzt.
Herausfordernd bleiben gestiegene Kosten für Mieten, Personal und Finanzierung sowie der Fachkräftemangel. Regulatorische Anforderungen und Bürokratie belasten besonders in der Anfangsphase.
Im Südwestpark entsteht Zukunft: Revitalisierung statt Abriss

Im Südwestpark Nürnberg entsteht ein zukunftsweisendes Bauprojekt: Ein Bestandsgebäude wird umfassend revitalisiert statt abgerissen – ein klares Zeichen für Nachhaltigkeit und Zukunftsentwicklung. Dabei bleibt die komplette Gebäudestruktur bestehen, wodurch im Vergleich zu einem Neubau rund 2.000 Tonnen CO₂ eingespart werden.
Die Revitalisierung schafft über 10.000 m² moderne Mietflächen, verteilt über drei Etagen mit flexiblen Büro- und Arbeitsräumen, die auf zukunftsorientierte Anforderungen an New Work und moderne Arbeitswelten zugeschnitten sind. Gleichzeitig werden Innenbereiche wie Treppenhaus und Eingangsbereich neu gestaltet und gepaart mit einem zusätzlichen Lichthof für mehr Licht und Aufenthaltsqualität.
Auch die Außenanlagen werden mit einem umweltgerechten Grünkonzept neu geplant, bestehende Bäume bleiben erhalten und es entstehen Erholungsbereiche für Mitarbeitende. Technisch wird das Gebäude nach hohen Nachhaltigkeitsstandards modernisiert, unter anderem mit Photovoltaik und Fernwärme.
Die Baumaßnahme soll 2027 abgeschlossen sein und bietet Unternehmen in der Metropolregion Nürnberg attraktive, flexible und moderne Mietflächen in einem nachhaltig aufgestellten Businesspark mit umfassender Infrastruktur.
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Woran scheitern Gründungen in Mittelfranken am häufigsten?
Gute Ideen gibt es viele. Scheitern liegt selten an der Idee, sondern an der Umsetzung. Häufig fehlt eine realistische wirtschaftliche Planung: Umsätze werden zu optimistisch, Kosten zu niedrig eingeschätzt. Die Liquiditätsplanung ist sensibel, finanzielle Engpässe treten früher auf als erwartet. Der Marktzugang wird nicht immer früh genug priorisiert.
Viele Gründende denken in Funktionen statt vom Kundennutzen auszugehen. Kunden zahlen für Mehrwert, nicht für Features. Zwischenmenschliche Aspekte wie unterschiedliche Erwartungen im Team oder Kommunikationsprobleme beeinflussen die Unternehmensentwicklung. Organisatorische Herausforderungen wie Zeitmanagement und Belastbarkeit sind besonders bei Einzelgründungen relevant.
Welche Rolle spielen Netzwerke, Mentoren und regionale Akteure für Gründende?
Netzwerke, Mentoren und regionale Akteure sind entscheidend für den Erfolg – oft wichtiger als Förderprogramme. Sie bieten Orientierung, Erfahrung und Zugänge, die Gründende allein schwer aufbauen könnten. In Mittelfranken ist die Dichte solcher Akteure hoch.
Technologieorientierte Start-ups profitieren von Hochschulen, Gründerzentren und Innovationsnetzwerken. Blinde Flecken sehe ich in der Sichtbarkeit und im Zugang. Im klassischen Gewerbe sind Netzwerke und Mentoringangebote nicht immer bekannt.
Mentoring entfaltet seinen Mehrwert, wenn die persönliche Passung stimmt und Erwartungen offen geklärt werden.
Wie attraktiv ist Mittelfranken für Start-ups in Bezug auf Kapital, Talente und Sichtbarkeit?
Mittelfranken bietet attraktive Bedingungen für Start-ups, anders als Hotspots wie München oder Berlin. Die Region zeichnet sich durch technologische Substanz, Industrienähe, starke Hochschulen und ein vernetztes Innovationsökosystem aus. Beim Zugang zu großvolumigem Venture Capital liegt sie hinter großen Startup-Hubs, entwickelt sich aber weiter.
Das Kapitalumfeld hat sich 2025 verbessert, besonders in Bayern. Mittelfränkische Start-ups profitieren von Frühphasenangeboten, Förderprogrammen und Netzwerken. Initiativen wie beispielsweise die ZOHO Factory und der NKubator stärken die Skalierungsfähigkeit der Region. Im Bereich Talente ist Mittelfranken gut positioniert.
Hochschulen und die industrielle Basis sorgen für eine stabile Pipeline. Start-ups stehen im Wettbewerb mit etablierten Unternehmen und anderen Metropolregionen. Die Sichtbarkeit der Region hat sich verbessert, besonders in Health- und MedTech.
Zukunftsforum Automotive 2026 in Nürnberg – jetzt Ticket sichern!

Die Mobilitätsbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen – und genau hier setzt das 22. Zukunftsforum Automotive (ehemals puls Automobilkongress) an. Am 2. und 3. März 2026 treffen sich Entscheidende aus Automobilhandel, Industrie, After Sales und Dienstleistung in der Metropolregion Nürnberg.
Auf der Bühne stehen u. a. Imelda Labbé (VDIK), Wolfgang Wurm (Porsche Austria), Jens Sörensen (Toyota Switzerland), Kai Vogler (Volkswagen Financial Services) und Stefan Reiser (puls).
Inhaltlich geht es am ersten Tag um (Un)bezahlbare Mobilität – also darum, wie Kundschaft trotz schwindender Kaufkraft überzeugt wird und welche Verkaufsstrategien künftig funktionieren. Tag zwei richtet den Fokus auf die Profitabilität im After Sales: weniger Verschleiß, kürzere Reparaturzeiten – und trotzdem rentabel durch datengetriebene Services.
Das Zukunftsforum Automotive 2026 auf einen Blick:
📅 Montag, 2. März 2026 ab 13:00 Uhr & Dienstag, 3. März 2026 ab 12.00 Uhr
📍 KORN’S, Kornmarkt 5–7, 90402 Nürnberg
🎟️ Ticket: 599 € (zzgl. MwSt., Dienstleistung/Industrie) oder 299 € (zzgl. MwSt., Handel/Werkstatt).
💡 Anmeldung bis 22.02.2026
Für Unternehmen und Fachkräfte aus der Metropolregion Nürnberg bietet das Event die ideale Gelegenheit, Trends frühzeitig zu erkennen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und die Zukunft der Mobilität aktiv mitzugestalten. Sichern Sie sich jetzt Ihr Ticket und seien Sie dabei, wenn in Nürnberg die Weichen für morgen gestellt werden!
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Was brauchen Gründende heute mehr: Mut, Geld oder bessere Rahmenbedingungen?
Gründende brauchen alles drei – in der richtigen Reihenfolge. Zuerst Mut, dann passende Rahmenbedingungen und Kapital, wenn klar ist, wofür es eingesetzt wird.
Wird Gründen romantisiert oder unterschätzt – und was ist gefährlicher?
Gründen wird sowohl romantisiert als auch unterschätzt und beides ist riskant. Die Start-up-Romantik suggeriert: Gute Idee, viel Mut, der Rest läuft schon. Markt, Zahlen, Planung? Wird sich finden. Genau das ist gefährlich.
Gleichzeitig wird der Aufwand oft nicht richtig ernst genommen. Dabei ist die eigentliche Gründung – Anmeldung und Papierkram – meist das Leichteste. Anspruchsvoll ist alles drumherum: Kund*innen gewinnen, Geld verdienen, durchhalten.
Am gefährlichsten bleibt die Romantisierung. Begeisterung ist wichtig – aber ohne Vorbereitung, Realitätssinn und Ausdauer reicht sie nicht.
Was müsste sich ändern, damit in Mittelfranken mehr erfolgreiche Gründungen entstehen?
Mittelfranken hat eine solide Basis. Entscheidend ist die nächste Entwicklungsstufe. Die frühe Gründungsphase ist gut aufgestellt. Künftig wird es darauf ankommen, Wachstum, Skalierung und Sichtbarkeit weiterzuentwickeln. Eine klarere Orientierung im Unterstützungsangebot ist wichtig.
Der Fokus sollte auf Markt, Kundennutzen und Skalierbarkeit liegen. Technologische Exzellenz ist eine Stärke der Region, wirtschaftlicher Erfolg entsteht, wenn Lösungen vom Bedarf her gedacht werden. Wenn Brücken zwischen Start-ups, Mittelstand und Industrie ausgebaut und bürokratische Hürden reduziert werden, kann die Region ihr Potenzial besser in unternehmerische Erfolge umsetzen.
Welchen Rat geben Sie angehenden Gründenden aus der Region?
Verlieben Sie sich in Ihre Idee, aber heiraten Sie den Kunden. Reden Sie früh mit Kunden, testen Sie Ihre Annahmen und investieren Sie erst, wenn klar ist, wofür Menschen zahlen.
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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

