Impuls

„Wie bringen wir mehr Frauen in Führung und Verantwortung, Christine Bruchmann?“

Frauen in Führung, kulturelle Vielfalt aus 80 Nationen und eine klare Haltung zu Leistung und Verantwortung: Christine Bruchmann, Inhaberin der Fürst Gruppe, erklärt im Interview, warum das Unternehmen beim Thema bereits viel bewegt hat – bis hin zur gezielten Vorbereitung einer neuen Geschäftsführerin.

Im Gespräch mit bürobesuch.de geht es auch um „unsichtbare Hürden“ im Arbeitsalltag, Role Models, Mentoring und flexible Arbeitsmodelle im „War of Talents“ – und um die Frage, was es braucht, damit Frauen Führung nicht nur können, sondern auch wollen.


Wie würden Sie einer 7-Jährigen erklären, was Sie beruflich machen?

Das würde ich nicht machen, denn es ist schon sehr schwierig, einem Erwachsenen zu erklären, was Unternehmertum bedeutet. Das Thema ist sehr komplex und hängt zusätzlich davon ab, was man alles konkret zu tun hat.

Wo steht die Fürst Gruppe bei Frauen in Führungspositionen, und wo liegt der größte Hebel für die nächsten 12–24 Monate?

Wir sind gut aufgestellt. Nächstes Jahr wird unsere 36-jährige Personalleiterin Geschäftsführerin und gezielt auf ihre neue Rolle vorbereitet. Besonders wichtig ist mir, dass wir Mitarbeiterinnen aus Ländern fördern, in denen Frauen wenig Rechte haben.

Wir beschäftigen Menschen aus 80 Nationen, darunter Iran, Syrien und Afghanistan. Ich sehe keinen Hebel für die nächsten zwei Jahre, da wir bereits viel tun. Frauen müssen den Aufstieg wollen, oft sind es die Ehemänner, die das nicht unterstützen.

Welche „unsichtbaren Hürden“ erleben Frauen im Arbeitsalltag?

In Deutschland hat sich viel verbessert. Frauen mit Potenzial und Führungswillen schaffen es – vielleicht nicht in jedem Unternehmen, doch dann empfehle ich einen Wechsel. Beim Networking sehe ich noch Potenzial, aber es gibt Formate wie „Frauen Unternehmen Wirtschaft“ von der IHK, die erfolgreich Frauen vernetzen.

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Was hat Ihnen geholfen, Verantwortung zu übernehmen?

Meine Erziehung war entscheidend. Zuhause diskutierten wir viel, und meine Schwestern und ich hatten Mitspracherecht. Wir wurden zu selbstbestimmten Menschen erzogen. Kein Druck, elterlichen Vorstellungen zu entsprechen. Mit 14 hatte ich meinen ersten Job als Reinigungskraft, um eigenes Geld zu verdienen.

Ich wollte immer Verantwortung tragen und habe mich nie als Opfer gefühlt. Das Leben ist hart, aber ich habe gelernt, dass Scheitern stark macht. Mein Vorbild ist Winston Churchill, der in der Krise nicht aufgab und das britische Volk motivierte, den Krieg zu gewinnen. Ganz nach dem Motto: „Gib niemals auf.“

Wie identifizieren Sie Talente und verhindern, dass Potenzial übersehen wird?

Jeder Mitarbeitende hat jährlich ein Entwicklungsgespräch. Dabei sprechen wir über Stärken und Potenziale sowie Entwicklungsmöglichkeiten. So erkennen wir schnell Talente und zukünftige Führungskräfte. Wir bieten Coaching, Mentoring und Leadership-Workshops an.

Welche Maßnahmen bereiten Frauen auf Führungsrollen vor?

„Role-Models“ im Unternehmen sind hilfreich, damit sich weibliche Führungskräfte identifizieren können. Männer sind oft nicht die richtigen Gesprächspartner, da Frauen häufiger Doppelbelastungen haben. Gutes Coaching und Mentoring stärken die Resilienz und ermutigen, keine Angst vor Fehlern zu haben. Aus Fehlern lernt man viel.

Wie wichtig sind Rahmenbedingungen wie Arbeitszeitmodelle und Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Unternehmen sollten diese Themen ernst nehmen. Teilzeit, Homeoffice oder Elternauszeit sind wichtig. Frauen sollten in Unternehmen arbeiten, die sie wertschätzen und Chancen bieten. In diesem „War of talents“ sind Flexibilisierungsinstrumente entscheidend.

Frauen haben oft andere Bedürfnisse als Männer. Wertschätzung und Ermunterung sind wichtige Motivatoren. Unternehmen, die das nicht erkennen, werden langfristig verlieren.

Wie sprechen Sie Männer in Führungspositionen als Verbündete an?

Ich sehe zuerst den Menschen, dann die Rolle oder das Geschlecht. Authentizität ist wichtig: „Sage, was du tust, und tue, was du sagst“ – das kommt gut an.

Wie gehen Sie mit dem Argument um, Beförderungen müssten „nur nach Leistung“ erfolgen?

Leistung ist individuell. Wichtig ist, dass Mitarbeitende ihr Potenzial abrufen. Große Unter- oder Überforderung führt zu Frust oder psychischen Krankheiten. Eine gute Führungskraft erkennt das Potenzial und erwartet, dass es eingebracht wird.

Welche drei Tipps geben Sie einer jungen Kollegin, die Führung übernehmen will?

Suchen Sie „Role-Models“ im Unternehmen, nutzen Sie externes Coaching und Mentoring mit einer guten Führungskraft außerhalb des Unternehmens. Für Top-Positionen könnte ein General Management Seminar in St. Gallen hilfreich sein.


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Constantin Kaindl

Herausgeber

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