Portrait

„Wir verkaufen keine Bauwerke, sondern Produkte“

Seit 2023 leitet Ringo Haritz die GOLDBECK-Niederlassung in der Metropolregion Nürnberg und hat sie in kurzer Zeit deutlich vorangebracht. Vom Bauingenieur über Projektentwickler bis zum Niederlassungsleiter: Sein Weg steht für Wachstum, Wandel und den Willen, aktiv zu gestalten. Im Gespräch mit Bürobesuch-Herausgeber Constantin Kaindl erzählt er von seinem Werdegang, dem besonderen Ansatz von GOLDBECK und seiner Motivation: Menschen und Projekte wachsen zu sehen.

Vom Baustellenjob zur Niederlassungsleitung

Ringo Haritz begann seinen beruflichen Weg nicht im Büro, sondern auf der Baustelle. Schon früh arbeitete er in den Ferien im Bau, schaufelte, schleppte Steine und half bei einfachen Tätigkeiten. Diese Erfahrungen legten den Grundstein für seinen weiteren Weg. Ursprünglich wollte er Architektur studieren, entschied sich dann aber bewusst für Bauingenieurwesen in Nürnberg – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Nach dem Studium startete er bei Lidl im Baubereich, wechselte später in die Grundstücksakquise und fand so den Einstieg in die Projektentwicklung. Es folgten Stationen bei verschiedenen Bauträgern und Unternehmen, oft mit starkem Wachstum. „Wir sind von drei Leuten auf 150 gewachsen“, erinnert er sich – eine dynamische, aber auch herausfordernde Entwicklung.

2023 übernahm er die Leitung der GOLDBECK-Niederlassung in Nürnberg mit dem Ziel, den Standort weiterzuentwickeln und neu aufzustellen.

Wachstum gestalten – mit Verantwortung

Seit seinem Start hat sich in der Niederlassung viel getan. Teams wurden aufgebaut, Projekte gewonnen, der Auftragseingang deutlich gesteigert. Gleichzeitig ist das Marktumfeld anspruchsvoller geworden. „Die große Herausforderung ist jetzt, in diesem Umfeld noch vernünftig Geld zu verdienen“, sagt Haritz.

Steigende Kosten, längere Genehmigungsprozesse und komplexere Rahmenbedingungen prägen die Baubranche. Wachstum allein ist kein Selbstzweck mehr – es geht darum, Strukturen nachhaltig zu entwickeln und wirtschaftlich stabil zu bleiben.

Was ihn besonders antreibt, ist weniger das reine Wachstum in Zahlen, sondern die Entwicklung der Menschen im Unternehmen. „Menschen weiterzuentwickeln, das macht mir am meisten Spaß“, sagt er. Gerade im Projektgeschäft ist es entscheidend, Verantwortung zu übertragen und Mitarbeitende zu befähigen, eigenständig zu handeln. Zu sehen, wie sich Menschen entwickeln und über sich hinauswachsen, ist für ihn einer der größten Erfolge.

Gebäude als Produkt gedacht

Ein zentraler Unterschied von GOLDBECK zu klassischen Bauunternehmen liegt im Ansatz: Gebäude werden nicht als Einzelprojekte verstanden, sondern als Produkte. „Wir verkaufen keine Bauwerke, sondern Produkte“, erklärt Haritz.

Ob Büro, Schule, Logistikhalle oder Parkhaus – im Mittelpunkt steht immer der Nutzen für den Kunden. Das Unternehmen setzt auf serielle Bauweise und industrielle Vorfertigung. Bauteile werden in eigenen Werken produziert und später auf der Baustelle zusammengesetzt – ein Prinzip, das Haritz mit einem einfachen Bild beschreibt: „Das ist wie Lego – nur in groß.“

Der Vorteil liegt auf der Hand: höhere Planungssicherheit, effizientere Prozesse und oft kürzere Bauzeiten. Gleichzeitig bleibt genug Flexibilität, um auf individuelle Anforderungen einzugehen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch eine ganzheitliche Betrachtung: Von der ersten Idee über Planung und Bau bis hin zur Nutzung und Revitalisierung begleitet GOLDBECK den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes.

Projekte zwischen Anspruch und Realität

Die Bandbreite der Projekte in der Region ist groß – von Logistikzentren über Bürogebäude bis hin zu Schulbauten. Ein aktuelles Beispiel ist ein Projekt für die Deutsche Bahn im Nürnberger Kohlenhof, das vollständig im Systemansatz umgesetzt wird und von den schnellen Bauzeiten profitiert.

Besonders stolz ist Haritz auf ein Projekt im Logistikbereich, das eine Platin-Zertifizierung erhalten hat – ein Nachhaltigkeitsstandard, der selbst für GOLDBECK selten ist. Gemeinsam mit Partnern wurde dort ein Konzept umgesetzt, das ökologische Aspekte wie begrünte Dächer und innovative Energielösungen integriert.

Gleichzeitig zeigt sich in solchen Projekten auch die Realität der Branche: Genehmigungsprozesse dauern länger, Projekte verschieben sich, und die Anforderungen steigen. „Die Vorlaufzeiten sind deutlich länger geworden“, beschreibt Haritz die aktuelle Situation.

Nürnberg: stark, aber bodenständig

Die Metropolregion Nürnberg sieht Haritz als besonderen Standort. Die Region sei wirtschaftlich stark, gleichzeitig aber bodenständig geblieben – eine Kombination, die sie für Unternehmen attraktiv macht.

„Wir haben hier eigentlich alles – nur nicht auf dem Niveau von München, was die Preise angeht.“

Genau darin liegt ein Vorteil: Die Region ist weiterhin vergleichsweise leistbar, auch wenn die Preise in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Gleichzeitig sieht Haritz auch Herausforderungen – insbesondere bei Infrastruktur und Genehmigungsprozessen. Lange Verfahren und viele Beteiligte verzögern Projekte häufig. Hier wünscht er sich mehr Effizienz und eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der Region.

Wachstum mit Augenmaß

Am Ende des Gesprächs stellt sich eine klassische Frage: Welchen Rat würde er seinem Nachfolger geben? Die Antwort kommt klar und ohne Umschweife: „Wachstum mit Augenmaß.“

Für Haritz bedeutet das, Entwicklungen bewusst zu steuern und nicht jedem Trend hinterherzulaufen. Gerade in einer Branche, die von großen Investitionen und langen Zyklen geprägt ist, sei es entscheidend, die richtige Geschwindigkeit zu finden.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf seine Ideen für die Zukunft, dass er offen für neue Themen bleibt. Würde er heute ein Unternehmen außerhalb der Baubranche gründen, würde er sich mit Energie- und Ladesystemen beschäftigen – insbesondere mit der Vernetzung von Strom, Mobilität und Infrastruktur.

Ein Gedanke, der gut zu seinem Profil passt: Systeme verstehen, weiterdenken und aktiv gestalten.

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