Raus aus dem Besprechungsraum, rein in die Natur: Mit den Inspiration Trails wollen Nicolas Kubanek und Klaus Stürzenhofecker Führungskräfte und Teams dazu bringen, offener miteinander zu sprechen, Konflikte anzupacken und Zusammenarbeit konkret zu gestalten.
Im Interview mit bürobesuch.de erklären sie, warum Gespräche im Gehen oft ehrlicher werden, weshalb die Natur für sie mehr als eine schöne Kulisse ist – und was ihre Workshops von klassischem Teambuilding unterscheidet.

Wie erklären Sie einem 7-Jährigen Kind, was Sie beruflich machen?
Nicolas Kubanek: Wir arbeiten mit Erwachsenen, die wie Kapitäne ein Team führen. Dafür gehen wir mit ihnen in die Natur. Dort fällt es ihnen leichter, über wichtige Dinge zu sprechen, während sie laufen. Gemeinsam überlegen sie, wie sie besser zusammenarbeiten können – ähnlich wie Kinder, die auf dem Spielplatz oft einfacher miteinander spielen als drinnen am Tisch.
Wie entstand die Idee zu Inspiration Trails?
Nicolas Kubanek: Die Idee kam aus meinen Erfahrungen. Ich habe gemerkt, dass Gespräche draußen klarer werden als im Besprechungsraum. Anfangs habe ich einzelne Workshop-Elemente nach draußen verlegt oder Feedbackgespräche im Gehen geführt. Mit Klaus kam eine neue Perspektive hinzu: Sein Wissen aus der Personalentwicklung und dem systemischen Coaching hat meine Methoden perfekt ergänzt.
Klaus Stürzenhofecker: Für mich war die Praxis entscheidend. Als Personalverantwortlicher habe ich oft erlebt, wie stark der Raum ein Gespräch beeinflusst. Im Meetingraum sitzen sich Menschen gegenüber, was oft wie eine Verhandlung wirkt. Draußen, nebeneinander, verändert sich die Dynamik spürbar.
Was bringen Sie aus Markenstrategie, Coaching und Personalentwicklung ein?
Nicolas Kubanek: Aus der Markenstrategie bringe ich die Fähigkeit mit, aus vielen einzelnen Eindrücken methodisch einen klaren Kern herauszuarbeiten und die Einzigartigkeit eines Unternehmens erlebbar zu machen. Das ist bei Werten nicht anders als bei einer Markenpositionierung. Es geht darum, was wirklich trägt und was nur Behauptung ist.
Klaus Stürzenhofecker: Ich bringe die systemische Perspektive ein, wie eine Gruppe funktioniert, wo Spannungen herkommen, wie man sie moderiert und wo man bewusst Raum für Reibung und Entwicklung lässt.
Nicolas Kubanek: Deshalb verbinden wir funktionierende und erprobte Methoden und systemische Entwicklung mit dem besonderen Setting in der Natur.
Warum gelingen Gespräche draußen oft besser als im Besprechungsraum?
Klaus Stürzenhofecker: Drinnen schreiben Räume unbewusst Rollen fest. Wer sitzt wo? Wer spricht zuerst? Draußen fällt das weg. Man bewegt sich gemeinsam in eine Richtung, was den Druck aus dem Gespräch nimmt.
Nicolas Kubanek: Außerdem muss man sich draußen nicht ständig ansehen. Das entspannt, besonders bei schwierigen Themen
Was verändert sich, wenn Menschen beim Gespräch nebeneinander gehen?
Nicolas Kubanek: Ohne Blickkontakt fällt es leichter, ehrlich zu sein. Wer sich nicht beobachtet fühlt, sagt eher, was er wirklich denkt.
Klaus Stürzenhofecker: Nebeneinander entsteht ein „Wir schauen gemeinsam auf ein Thema“ statt „Ich gegen dich“. Das verändert den Ton, noch bevor jemand spricht.
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Wie machen Sie abstrakte Unternehmenswerte im Alltag greifbar?
Klaus Stürzenhofecker: Werte wie „Vertrauen“ oder „Offenheit“ bleiben oft leere Worte, weil niemand sie konkretisiert. Wir helfen Teams, diese Werte in klare Absprachen oder Führungsgrundsätze zu übersetzen, die überprüfbar sind.
Nicolas Kubanek: Am Ende steht immer etwas Greifbares: Regeln für die Zusammenarbeit, die das Team selbst formuliert hat.
Klaus Stürzenhofecker: Erste Veränderungen sehen wir oft sofort. Wird eine Spannung offen angesprochen oder weggelächelt? Formuliert das Team die Regeln selbst oder wartet es auf Vorgaben? Solche Anzeichen zeigen, ob etwas Substanz hat.
Nicolas Kubanek: Ob es langfristig trägt, zeigt sich erst im Alltag. Werte müssen sich im Verhalten widerspiegeln, sonst bleiben sie Theorie.
Wie gehen Sie mit Konflikten oder Spannungen im Team um?
Klaus Stürzenhofecker: Wir sprechen Spannungen direkt an. Draußen, im Gehen, lässt sich das leichter aushalten als am Konferenztisch, wo jeder Blick registriert wird. Teams, die Konflikte offen angehen, kommen meist weiter als solche, die höflich bleiben und nichts klären.
Ehrlichkeit ist entscheidend. Einen jahrelangen Konflikt lösen wir nicht an einem Tag. Aber wir schaffen den Moment, in dem er erstmals offen ausgesprochen wird – oft der entscheidende Schritt.
Was unterscheidet Ihre Trails von klassischem Teambuilding?
Nicolas Kubanek: Klassisches Teambuilding – etwa im Kletterpark oder beim Kanufahren – sorgt für einen schönen Tag, hinterlässt aber selten etwas Nachhaltiges. Bei uns steht am Ende immer ein konkretes Ergebnis: ein Team-Kompass, Leitlinien oder ein Symbol wie eine Pflanze, zu der jeder etwas beigetragen hat. Die Natur ist bei uns kein Selbstzweck, sondern der Rahmen für Arbeit, die drinnen oft schwieriger wäre.
Für welche Veränderungen in Unternehmen eignet sich Ihr Format besonders?
Klaus Stürzenhofecker: Vor allem bei Übergängen und Umbrüchen: Reorganisationen, neue Führungskräfte, Umzüge oder wenn Teams nach Homeoffice-Phasen wieder zusammenfinden wollen. Auch hybride Teams, die sich selten persönlich sehen, profitieren. In solchen Momenten bleibt vieles unausgesprochen – unser Format lädt dazu ein, das zu ändern.
Welche Formate bietet Inspiration Trails?
Klaus Stürzenhofecker: Unser Kernformat ist der Trail-Workshop für Teams, meist ein bis zwei Tage, mit einem klaren Ergebnis wie Leitlinien für die Zusammenarbeit. Daneben gibt es die Trail Talks: kürzere, regelmäßige Treffen, bei denen wir mit Führungskräften draußen ins Gespräch kommen – eine Alternative zu klassischen After-Work-Events. Der nächste Trail Talk ist am 17. September – Interessierte können sich hier anmelden.
Nicolas Kubanek: Der Grundgedanke bleibt immer gleich: Draußen arbeiten, damit drinnen etwas wirkt. Wir passen unsere Formate individuell an und nutzen einen großen Methodenkoffer. Vieles, was im Seminarraum funktioniert, klappt draußen oft besser.
Was soll nach einem Inspiration Trail anders sein?
Nicolas Kubanek: Am Ende gibt es immer etwas Greifbares: Leitlinien, Absprachen oder ein gemeinsames Verständnis von Zusammenarbeit. Ein Team, mit dem wir kürzlich zwei Tage draußen gearbeitet haben, hat konkrete Regeln für das neue Büro entwickelt – selbst erarbeitet, nicht von uns vorgegeben.
Klaus Stürzenhofecker: Wir versprechen keine dauerhafte Verhaltensänderung nach einem Tag. Aber wir schaffen einen klaren Ausgangspunkt, auf den sich das Team später beziehen kann. Während der ein- bis zweitätigen Workshops fördern wir den Austausch intensiv – in kleinen Gruppen und im 1:1. Die Teilnehmer spüren, wie dabei Verbindung entsteht. Das erleichtert auch im Büro den Kontakt: Wo vorher Gespräche vermieden wurden, geht man aufeinander zu.
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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

