Internationale Erreichbarkeit ist längst mehr als eine Frage des Reisekomforts – sie ist ein Standortfaktor. Doch hohe Kosten, veränderte Geschäftsreisen und fehlende Direktverbindungen setzen den Luftverkehr in Deutschland unter Druck.
Im Interview erklärt Dr. Michael Hupe, Geschäftsführer des Airport Nürnberg, welche Verbindungen der regionalen Wirtschaft fehlen, warum bestehende Strecken stärker genutzt werden müssen und wie der Flughafen Wachstum, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringen will. (Foto: Airport Nürnberg / Daniel Karmann)

Wie erklären Sie einem 7-Jährigen Kind, was Sie beruflich machen?
Ich kümmere mich darum, dass viele Menschen mit dem Flugzeug von Nürnberg aus in die weite Welt fliegen und auch wieder hierher zurückkommen können. Gleichzeitig sorge ich mit meinem Team dafür, dass der Flughafen sicher betrieben wird und keine Unfälle passieren.
Wann haben Sie zuletzt selbst erlebt, wie entscheidend eine gute internationale Anbindung für einen Wirtschaftsstandort ist?
Das erlebt man in Nürnberg kontinuierlich, und zwar immer dann, wenn Unternehmen aus der Region mit internationalen Partnern arbeiten, diese zu Gesprächen oder auf Messen in unsere Region kommen oder Beschäftigte schnell zu Kunden und Standorten im Ausland müssen.
Gerade in solchen Momenten zeigt sich, dass gute Verbindungen kein Luxus sind, sondern ein Standortfaktor. Durch meine Tätigkeit in verschiedenen IHK-Gremien stehe ich hierzu in häufigen Austausch mit Unternehmern aus der Region.
Welche konkrete Bedeutung hat der Airport Nürnberg heute für Investitionen, Ansiedlungen und Wachstum in der Metropolregion?
Der Airport Nürnberg ist ein wichtiger Teil der Infrastruktur der Metropolregion und trägt dazu bei, dass Unternehmen gut vernetzt sind. Er stärkt die Erreichbarkeit für Geschäftsreisende, Fachkräfte, Investoren und internationale Kontakte und unterstützt damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Ein weiterer Aspekt liegt in der Akquisition von ausländischen Arbeitskräften, was in Zeiten des Fachkräftemangels immer mehr Bedeutung erlangt. Diese kann ich nur gewinnen, wenn sie einfach und entspannt zu Familie und Freunden in der alten Heimat pendeln können.
Was bremst den Ausbau internationaler Verbindungen derzeit stärker: hohe Standortkosten, fehlende Kapazitäten bei den Airlines oder eine zu geringe Nachfrage aus der Region?
In Deutschland sind die hohen Standortkosten, insbesondere durch öffentliche Bestandteile wie die Luftverkehrsteuer, ein wesentlicher Grund, warum Airlines andere europäische Märkte viel dynamischer entwickeln als den deutschen Markt. Während viele Länder ohne Luftverkehrsteuer bereits deutlich über dem Niveau vor der Pandemie liegen, sind wir in Deutschland gerade mal bei 85% des Levels.
Welche Direktverbindung fehlt der regionalen Wirtschaft aus Ihrer Sicht am dringendsten?
Für die regionale Wirtschaft sind vor allem Verbindungen dorthin wichtig, wo ihre Kunden, Niederlassungen oder Partner sitzen. Enge wirtschaftliche Verflechtungen gibt es zum Beispiel nach Norditalien und nach Polen. EasyJet wird im Winter eine Verbindung nach Mailand anbieten. Wir sind gespannt, wie die Unternehmen diese Strecke nutzen.
Schwan-STABILO, Flix und weitere Top-Unternehmen beim puls Unternehmertag

Der 21. puls Unternehmertag bringt am 22. September 2026 im KORN’S in Nürnberg Unternehmer, CEOs und Führungskräfte zusammen. Auf der Bühne stehen Führungspersönlichkeiten aus Markenunternehmen, Mittelstand und Scale-ups.
Mit dabei sind unter anderem Anke Buttler von Schwan-STABILO, Daniel Krauss von Flix, Caroline Baier von der Scheurich Group, Ingo Kraupa von noris network, Prof. Dr. Alexander Steinkasserer von Mallia, Jakob Rietzler von der Rietzler Gruppe und Markus Neubauer von Silbury Deutschland.
Inhaltlich dreht sich die Veranstaltung um den Unternehmenserfolg von morgen: Wie gelingt die digitale Transformation? Welche Chancen eröffnet Künstliche Intelligenz – und wie können sie von Mittelstand und Familienunternehmen genutzt werden? Wie etabliert man starke Marken in Zeiten zunehmender technologischer Austauschbarkeit? Was braucht es für erfolgreiche Unternehmensnachfolge, Gründung und Skalierung? Und warum wird Mut zunehmend zu einer unternehmerischen Kernkompetenz?
Neben den Vorträgen bietet der Unternehmertag Raum für persönlichen Austausch und Networking mit Entscheidern aus der Metropolregion Nürnberg und darüber hinaus.
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Reichen gute Umsteigeverbindungen über internationale Drehkreuze aus – oder verliert Nürnberg ohne zusätzliche Direktflüge im Standortwettbewerb an Boden?
Gute Umsteigeverbindungen sind wichtig und sichern bereits heute viele internationale Beziehungen. Direktflüge sind aber ein klarer Vorteil, weil sie Zeit sparen, Reisen vereinfachen und den Standort attraktiver machen.
Deshalb ist beides relevant: hochfrequente Drehkreuzanbindungen und ein möglichst gutes Angebot an Direktverbindungen insbesondere in europäische Destinationen.
Wie stark hat sich der Geschäftsreiseverkehr seit der Pandemie verändert, und was bedeutet das für das Geschäftsmodell des Flughafens?
Der Geschäftsreiseverkehr hat sich durch die Pandemie verändert, weil digitale Formate heute stärker genutzt werden als zuvor. Dazu kommt, dass interne Regularien, z. B. durch die CSRD-Reportingpflichten der Großunternehmen, die Flugreise erschweren. Insofern hat sich der Anteil der beruflich bedingten Flüge verringert, im Gegenzug aber die Urlaubsreisenden an unserem Passagieraufkommen erhöht.
Dennoch sind persönliche Treffen für viele Branchen weiterhin unverzichtbar, besonders bei Verhandlungen, Kundenbesuchen, Investitionen und internationalen Projekten. Daher versuchen wir, das Flugangebot für diese Bedarfe zu stabilisieren und wieder nach vorne zu bringen.
Fordert die regionale Wirtschaft zu Recht mehr internationale Verbindungen – oder müsste sie bestehende Angebote konsequenter nutzen?
Beides gehört zusammen. Die Wirtschaft darf zu Recht gute internationale Anbindungen einfordern, denn sie sind Teil einer leistungsfähigen Region, wie es die EMN darstellt. Gleichzeitig bleiben bestehende Angebote nur dann nachhaltig im Markt, wenn sie auch ausreichend genutzt werden.
Wir haben das bei den Inlandsflügen beobachten können, die ab Nürnberg nicht mehr existent sind, weil die Auslastung unzureichend war.
Welche Branchen in der Metropolregion profitieren besonders von einer besseren internationalen Erreichbarkeit?
Besonders profitieren Branchen mit vielen Kunden-, Lieferanten- und Forschungskontakten im Ausland, also vor allem Industrie, Technologie, Maschinenbau, Automobilzulieferer, Handel, Logistik, Gesundheitswirtschaft und wissensintensive Dienstleistungen.
Auch Tourismus, Messe und Kongressgeschäft profitieren von guter internationaler Erreichbarkeit.
Wo stößt der Flughafen beim weiteren Wachstum an seine Grenzen – bei Infrastruktur, Flächen, Personal oder Akzeptanz?
Durch sukzessive Anpassung unserer Infrastruktur und Effizienzsteigerung der Prozesse kann der Flughafen ein noch deutlich höheres Verkehrsvolumen stemmen. Akzeptanz hat dabei zwei Facetten: die Qualität des Streckennetzes, aber auch die ökologische Fortentwicklung im Hinblick auf Reduktion von Ressourcenverbrauch und Lärmemissionen. Bei letzterem macht der Luftverkehr gute Fortschritte.
Wie lassen sich wirtschaftliches Wachstum, Klimaziele und Lärmschutz miteinander vereinbaren, ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu schwächen?
Das gelingt nur über technologische Modernisierung, effizientere Prozesse und kluge Anreize. Der Airport Nürnberg setzt hier bereits auf Photovoltaik, Energieeinsparung, den Einsatz emissionsärmerer Energieträger und die Förderung moderner, lärmarmer Flugzeugtypen. Lärmschutz und Klimaschutz sind dabei keine Gegenspieler, sondern Voraussetzung dafür, dass der Flughafen gesellschaftlich akzeptiert und wirtschaftlich stark bleibt.
Woran würden Sie im Jahr 2035 erkennen, dass der Airport Nürnberg seine wirtschaftspolitische Aufgabe für die Region erfüllt hat?
Daran, dass der Airport die Region weiterhin zuverlässig mit den wichtigsten europäischen Märkten und internationalen Drehkreuzen verbindet und Unternehmen dadurch schnell, planbar und wettbewerbsfähig agieren können.
Erfolgreich wäre der Airport 2035 außerdem dann, wenn er wirtschaftliche Stärke mit klaren Fortschritten beim Klima- und Lärmschutz verbindet und damit als moderner Standortfaktor wahrgenommen wird.
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Constantin Kaindl
Herausgeber

