Impuls

„Wie bringt man Wirtschaftswissen raus aus dem Klassenzimmer und rein in die Praxis, Frau Canki und Frau Kugler?“

Praxisnahes Wirtschaftswissen, Berufsorientierung und ein direkter Blick hinter die Kulissen regionaler Unternehmen: Im Interview mit bürobesuch sprechen Ebru Canki und Jessica Kugler von der IHK Nürnberg für Mittelfranken darüber, wie das Projekt „IHK macht Schule“ Schülerinnen und Schülern wirtschaftliche Zusammenhänge näherbringt – und warum Unternehmensbesuche und Workshops dabei eine zentrale Rolle spielen.

Außerdem erklären sie, welche Themen von Steuern und Altersvorsorge bis hin zu Bewerbung und Innovation vermittelt werden, wie Unternehmen aus Mittelfranken das Projekt unterstützen können und welchen Beitrag „IHK macht Schule“ zur Berufsorientierung und Fachkräftesicherung in der Region leisten soll.

Wie erklären Sie einem 7-Jährigen Kind, was Sie beruflich machen?

Ebru Canki: Bei unseren Firmenbesuchen zeigen wir Schülerinnen und Schülern, wie die Arbeitswelt funktioniert. Sie sehen direkt vor Ort, welche Berufe es gibt und was Menschen bei ihrer Arbeit genau machen.

Dabei lernen sie spielerisch, wie Wirtschaft funktioniert, also wie Menschen arbeiten, Geld verdienen und Dinge kaufen und verkaufen. Und ehrlich gesagt funktioniert diese Erklärung nicht nur bei 7-Jährigen, sondern auch noch bei 17-Jährigen.  

Was ist „IHK macht Schule“ – und welches Ziel verfolgt das Projekt?

Jessica Kugler: „IHK macht Schule“ ist ein Projekt der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken zu Wirtschafts- und Zukunftsthemen an mittelfränkischen Gymnasien.

In fünf Lehrmodulen wird den Schülerinnen und Schülern relevantes Wirtschaftswissen direkt aus der Praxis vermittelt und ihre Kenntnisse über lokale Strukturen vertieft. Damit schaffen wir eine wertvolle Ergänzung zum Wirtschaftsunterricht.

Warum richtet sich das Angebot besonders an Gymnasien?

Ebru Canki: Schülerinnen und Schüler erhalten im Rahmen der Lehrpläne an Gymnasien häufig nur begrenzte Einblicke in praxisrelevante Wirtschaftsthemen und deren praktische Bedeutung für die Lebens- und Arbeitswelt. Deshalb wollten wir ein Angebot schaffen, das den Unterricht durch praktische Einblicke ergänzt. 

Welche Schülerinnen und Schüler können teilnehmen?

Jessica Kugler: Es können alle interessierten Schülerinnen und Schüler von Gymnasien der Klassenstufen 10 bis 12 mitmachen, die über den Unterricht hinaus Einblicke in Wirtschaft und Unternehmen erhalten möchten.

Wir haben bereits einige Schulen in Mittelfranken, die sich am Projekt beteiligen. Pro Schule gibt es eine Lehrkraft, die die Koordination mit den Schülerinnen und Schülern übernimmt.

Wie läuft ein typisches Lehrmodul konkret ab?

Ebru Canki: Wir starten mit einer Begrüßungsrunde bzw. einer kurzen Unternehmensvorstellung. Anschließend erhalten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen einer Unternehmensführung einen Einblick in die Arbeitswelt und die verschiedenen Tätigkeiten.

Im Rahmen von Workshops oder Planspielen arbeiten sie im Anschluss zu Themen wie regionale und globale Wirtschaft, Innovationen in der Region sowie gesellschaftliche Bildung.

Nach einer kurzen Pause mit Snacks und Getränken präsentieren die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse aus der Gruppenphase. Den Abschluss bilden ein Online-Quiz, eine kurze Feedbackrunde sowie ein gemeinsames Gruppenfoto. 

Welche Rolle spielen Unternehmensbesuche und Workshops?

Jessica Kugler: Unternehmensbesuche und Workshops sind ein zentraler Bestandteil von „IHK macht Schule“. Durch den Besuch von Unternehmen vor Ort erhalten die Schülerinnen und Schüler direkte Einblicke in Produktionsprozesse, Arbeitsabläufe und betriebliche Zusammenhänge und können so hinter die Kulissen schauen.

Ergänzend dazu werden die Themen in interaktiven Workshops aufgegriffen und vertieft. Hier geht es darum, praktische Aufgaben zu bearbeiten und mit Expertinnen und Experten in den Austausch zu kommen.

Welche Themen lernen die Jugendlichen kennen?

Ebru Canki: Das Projekt vermittelt den Jugendlichen fundiertes Wirtschaftswissen sowie Allgemeinbildung. Sie erhalten Einblicke in zentrale Themen wie Steuern, Altersvorsorge, Bewerbungen, Miete und Innovationsfähigkeit.

Gleichzeitig unterstützt „IHK macht Schule“ die Schülerinnen und Schüler dabei, ihre eigenen Stärken zu entdecken und Verantwortung zu übernehmen. Dadurch erlangen sie neue Perspektiven für die Zeit nach dem Abitur und lernen die vielfältigen Möglichkeiten am Wirtschaftsstandort Mittelfranken kennen. 

Wie werden Unternehmen aus Mittelfranken eingebunden?

Jessica Kugler: Die Unternehmen beteiligen sich an einem der Lehrmodule, sei es als Gastgeber, mit einer Führung durch das Unternehmen oder durch Workshops und Gesprächsrunden. Damit schaffen wir einen wichtigen Transfer zwischen Schule und Praxis.

Unternehmen können Einblicke in ihren Arbeitsalltag geben oder ihr Fachwissen einbringen und damit das Projekt unterstützen. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Praxispartnern. Interessierte Unternehmen können uns jederzeit gerne direkt kontaktieren.

Was sollen die Jugendlichen aus dem Projekt mitnehmen?

Ebru Canki: Mit „IHK macht Schule“ möchten wir den Jugendlichen zeigen, welche spannenden und vielfältigen Unternehmen wir hier bei uns in der Region haben und welche Chancen sich daraus für ihre Zukunft ergeben.

Sie sollen praxisnahe Einblicke in die Wirtschafts- und Arbeitswelt erhalten und gleichzeitig Wissen erwerben, das ihnen im Alltag weiterhilft.

Durch Workshops und Gruppenarbeiten stärken wir zudem wichtige Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Präsentationsfähigkeit. 

Inwiefern hilft das Projekt bei der Berufsorientierung?

Jessica Kugler: Einerseits kommen die Schülerinnen und Schüler durch „IHK macht Schule“ mit regionalen Unternehmen in Kontakt und erhalten Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder und Karrierewege.

Andererseits entdecken die Jugendlichen in unserem Stärken-Lehrmodul ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten, um so Orientierung für ihre spätere Studien- oder Berufswahl zu gewinnen. 

Welchen Beitrag kann „IHK macht Schule“ zur Fachkräftesicherung in der Region leisten?

Ebru Canki: Durch Unternehmensbesuche bringen wir die Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit Unternehmen vor Ort in Kontakt, machen die Region Mittelfranken mit ihrem starken Mittelstand für sie erlebbar und eröffnen ihnen vielfältige berufliche Perspektiven. Somit leisten wir einen wertvollen Beitrag zur regionalen Fachkräftesicherung.

Wie soll das Projekt in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden?

Jessica Kugler: Unser Ziel ist es, „IHK macht Schule“ langfristig zu etablieren und neue Schulen und Unternehmen für das Projekt zu gewinnen. Hierzu ist eine Ausweitung auf weitere Regionen in Mittelfranken vorgesehen. Aktuell beteiligen sich bereits Schulen aus Nürnberg, Fürth, dem Nürnberger Land und Westmittelfranken. Im kommenden Schuljahr wird das Projekt erstmals auch in Erlangen angeboten. 

Perspektivisch möchten wir „IHK macht Schule“ gerne auch auf weitere Schularten ausweiten, sodass künftig auch Schülerinnen und Schüler von Realschulen oder Mittelschulen die Möglichkeit haben, von den praxisnahen Angeboten zu profitieren. Letztlich lebt das Projekt von starken Partnerschaften mit Schulen und Unternehmen. Daher freuen wir uns über weitere Mitwirkende, die gerne Teil des Projekts sein möchten.


Sie haben eine Empfehlung für einen Interviewpartner für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an presse@buerobesuch.de.

Wie hat Ihnen unser Interview gefallen? Schreiben Sie Ihr Feedback gerne an constantin.kaindl@buerobesuch.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

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Beste Grüße & vielen Dank

Constantin Kaindl

Herausgeber

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