Seit dem 1. Januar 2026 steht Matthias Wittmann an der Spitze der Sparkasse Nürnberg. Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Bankgeschäft und mehreren Jahren im Vorstand übernimmt der 44-Jährige eine der zentralen Führungsrollen der regionalen Finanzwirtschaft. Im Gespräch mit Bürobesuch-Herausgeber Constantin Kaindl spricht er über Verantwortung, große Fußstapfen und die Zukunft der Sparkasse – und darüber, warum für ihn eines im Zentrum bleibt: der Kunde und die Menschen dahinter.

Von Bamberg an die Spitze
Matthias Wittmann ist gebürtiger Bamberger, doch Nürnberg spielte schon früh eine wichtige Rolle in seinem Leben. „Nürnberg war für mich immer ein Zentrum“, sagt er. Heute lebt und arbeitet er in der Metropolregion – und ist beruflich tief mit ihr verbunden.
Seit über 26 Jahren arbeitet er in der Finanzbranche, seit mehreren Jahren im Vorstand der Sparkasse Nürnberg. Mit dem Jahreswechsel 2026 hat er nun den Vorsitz übernommen.
Seinen Job beschreibt er bewusst einfach: Es gehe darum, Verantwortung für ein Unternehmen zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass Kunden gut betreut werden.
„Erfolg heißt für mich, zufriedene Kunden zu haben.“

Weiterentwicklung und Demut
Der Wechsel an die Spitze erfolgt in einer besonderen Situation. Mit Matthias Everding verabschiedete sich Ende 2025 ein Vorstandsvorsitzender, der die Sparkasse über mehr als zwei Jahrzehnte geprägt hat. Die Verabschiedung mit Standing Ovations ist Wittmann noch präsent. „Das sind nicht nur große, sondern sehr, sehr große Fußstapfen.“
Everding habe die Sparkasse durch wirtschaftlich herausfordernde Zeiten geführt und stabil aufgestellt. Für Wittmann ist das zugleich Verpflichtung und Ansporn. „Ich gehe das mit Demut an.“
Gleichzeitig macht er klar, dass er seinen eigenen Weg gehen will: keine Kopie, sondern eine eigenständige Weiterentwicklung.

Stabilität und Veränderung
Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Dr. Jonathan Daniel und Reiner Dintenfelder will Wittmann die Sparkasse entlang zweier zentraler Leitlinien weiterentwickeln: Stabilität und Innovation. „Wir wollen eine wirtschaftlich stabile Sparkasse bleiben – und gleichzeitig müssen wir uns weiterentwickeln.“
Der Finanzmarkt verändere sich spürbar. Digitalisierung, neue Wettbewerber und veränderte Kundenerwartungen prägen das Umfeld. Die Aufgabe bestehe darin, digitale Angebote und persönliche Beratung sinnvoll zu verbinden.
Im Mittelpunkt steht für ihn dabei eine klare Haltung: „Der Kunde gibt uns unsere Daseinsberechtigung.“

Führung über Vertrauen
Die Transformation betrifft nicht nur das Geschäftsmodell, sondern auch die Führung. Für Wittmann bedeutet Führung vor allem, Orientierung zu geben und Klarheit zu schaffen. „Die Welt wird nicht einfacher – also müssen wir klarer werden.“
Dabei setzt er auf ein Führungsverständnis, das auf Vertrauen basiert. Führung funktioniere nicht über Kontrolle, sondern über Verantwortung und Vertrauen in die Menschen. „Am Ende machen die Menschen den Unterschied“. Gerade in einer Branche, in der Produkte oft vergleichbar sind, entstehe Differenzierung durch Beratung, Beziehung und Vertrauen. Deshalb investiert die Sparkasse gezielt in Ausbildung, Weiterentwicklung und Unternehmenskultur.
Ziel sei es, Menschen nicht nur fachlich zu qualifizieren, sondern sie auch langfristig zu entwickeln und zu binden.
Familie und Beruf
Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Wittmann kein abstraktes Schlagwort, sondern gelebte Realität. Als Vater von zwei Kindern beschreibt er die Herausforderung, den Anforderungen seiner Rolle und dem Familienleben gleichermaßen gerecht zu werden, sehr konkret.
„Es gibt Tage, da dominiert der Job – und es gibt Tage, da gehört die Zeit ganz bewusst der Familie“, macht er deutlich. Entscheidend sei nicht die perfekte Balance an jedem einzelnen Tag, sondern ein langfristiges Gleichgewicht. Seine Bild der vier Tischecken – Beruf, Familie, Partnerschaft und eigene Gesundheit – dient ihm dabei als Orientierung. „Zieht man zu stark an einer Seite, entsteht ein Ungleichgewicht und es fallen auf der anderen Seite wichtige Aspekte weg!“
Dieses Bewusstsein für Balance prägt nicht nur seinen persönlichen Alltag, sondern auch sein Führungsverständnis: Leistungsfähigkeit im Beruf entsteht für ihn nur dann nachhaltig, wenn auch das private Fundament stabil ist.

Regionalität als Geschäftsmodell
Ein zentraler Bestandteil der Sparkassen-Logik ist für Wittmann die starke regionale Verankerung. Das Prinzip sei einfach – und gleichzeitig wirkungsvoll: Einlagen aus der Region werden wieder in der Region investiert. „Die Oma aus Gostenhof legt ihr Geld bei uns an – und wir finanzieren damit vielleicht das Haus einer jungen Familie im Nürnberger Land.“
Hinzu kommt das gesellschaftliche Engagement. Die Sparkasse unterstützt zahlreiche Projekte in Kultur, Sport und Sozialem und versteht sich als aktiver Teil der Stadtgesellschaft. Im vergangenen Jahr flossen rund 4,1 Mio. Euro über Stiftungen, Spenden und Sponsoring in die Region.
Ein sichtbares Zeichen dieses Selbstverständnisses ist das „Haus der Kunden“ in der Nürnberger Innenstadt. Die modernisierte Hauptstelle ist mehr als eine klassische Bankfiliale. „Es soll sich anfühlen wie ein großes Wohnzimmer.“ Ein Ort für Beratung, Begegnung und Austausch – bewusst offen gestaltet und mitten in der Stadt verankert. Für Wittmann ist das ein klares Signal: Die Sparkasse bleibt präsent – und nah an den Menschen.

Klarheit als Kompass
Am Ende des Gesprächs bleibt ein einfaches Prinzip, das sich durch viele seiner Aussagen zieht: „Klarheit.“ Klarheit in der Kommunikation, in Entscheidungen und im eigenen Anspruch. Gerade in Zeiten des Wandels sei es entscheidend, Orientierung zu geben und Vertrauen aufzubauen.
Denn am Ende gehe es nicht nur um Strategien oder Produkte – sondern um etwas Grundlegenderes: um Menschen.







