Wie zukunftsfähig ist die Soziale Marktwirtschaft – und welche Rolle kann Mittelfranken dabei spielen? Mit dem Ludwig Erhard ifo Zentrum für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik hat das ifo Institut in Fürth einen neuen Standort mit klarem Schwerpunkt geschaffen.
Im Interview erklärt Leiterin Prof. Dr. Sarah Necker, warum Fürth dafür der richtige Ort ist, welche wirtschaftspolitischen Fragen dort erforscht werden und wie Unternehmen aus der Region von der Arbeit des Zentrums profitieren können.

Wie erklären Sie Ihren Kindern, was Sie beruflich machen?
Kinder verstehen sehr gut die Welt, die sie schon kennen, die Schule zum Beispiel. Daran lässt sich erklären, was die Volkswirtschaftslehre macht. Verdienen Menschen, die länger zur Schule gehen, später mehr? Wenn ja, liegt das an der zusätzlichen Bildung oder gehen gerade diejenigen länger zur Schule, die ohnehin bessere Voraussetzungen haben?
An solchen Beispielen lassen sich zentrale Prinzipien ökonomischen Denkens gut vermitteln. Wer die Prinzipien versteht, versteht auch, wie wir Fragen stellen und versuchen, sie zu beantworten.
Wofür braucht Fürth einen eigenen ifo-Standort? Warum fiel die Wahl gerade auf Fürth?
Fürth ist der Geburtsort von Ludwig Erhard, dem politischen Vater der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Das Ludwig Erhard ifo Forschungszentrum ist in mehrfacher Hinsicht mit Erhard verbunden: Einerseits bildet die Soziale Marktwirtschaft unser Forschungsleitthema, andererseits war Ludwig Erhard eine Schlüsselfigur bei der Gründung des ifo Instituts im Jahr 1949.
Die enge Anbindung an unsere Kooperationspartner, die FAU Erlangen-Nürnberg und das Ludwig Erhard Zentrum, ermöglicht es uns, Synergien zu nutzen. Gleichzeitig liegt Fürth inmitten einer starken Metropolregion mit zahlreichen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Dieses Umfeld ergänzen wir mit unserem Fokus auf exzellente Wirtschaftsforschung und politische Beratung. Die Verbindung von Geschichte, aktueller Forschung und einem starken Wirtschaftsstandort macht Fürth zu einem idealen Standort.
Was unterscheidet das Zentrum vom ifo-Hauptsitz in München?
Der Hauptsitz des ifo Instituts in München deckt ein breites Spektrum an Forschungsthemen ab – von Konjunkturprognosen bis hin zur Bildungsforschung. Das Zentrum in Fürth setzt einen gezielten Schwerpunkt und vertieft diesen: Wir konzentrieren uns auf die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft.
Dabei verbinden wir die Expertise des ifo Instituts mit den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen der Region. Der enge Austausch mit den Kollegen in München macht uns zugleich zu einem Teil eines starken bayernweiten Forschungsnetzwerks.
Welche Themen werden in Fürth konkret erforscht?
Wir untersuchen drei große Themen, die für die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft zentral sind. Erstens fragen wir, wie Steuern, Subventionen und Regulierungen das Verhalten von Haushalten und Unternehmen beeinflussen – und wie Politik wirksamer gestaltet werden kann. Zweitens erforschen wir, wie gut Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und was darüber entscheidet, ob sie Reformen akzeptieren.
Drittens beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik – etwa Grundsicherung, Rente oder Familienpolitik – gestaltet sein muss, damit Leistung, Sicherheit und Teilhabe zusammenpassen. Damit arbeiten wir an Fragen, die wissenschaftlich spannend sind und zugleich ganz konkret darüber entscheiden, wie zukunftsfähig unsere Soziale Marktwirtschaft ist.
10 % Rabatt für die 1. Mittelfränkische Social Media Konferenz

Am 26. November 2026 findet im ZOLLHOF Nürnberg die 1. Mittelfränkische Social Media Konferenz statt. Deutschlandweit bekannte Speaker treffen dabei auf Social-Media-Cases aus Mittelfranken. Auf dem Programm stehen Keynotes, Vorträge und Panels rund um Themen wie LinkedIn, Corporate Influencer, Personal Branding und Social Media Marketing.
Mit dabei sind unter anderem Vertreter von DATEV, Sparkasse Nürnberg, FAU Erlangen-Nürnberg, FACKELMANN, Feser-Graf und ZOLLHOF. Insgesamt sind mehr als 25 Speaker angekündigt. Am Abend werden beim Mittelfränkischen Social Media Award zudem Social-Media-Cases aus der Region ausgezeichnet.
Das reguläre Konferenzticket kostet 399 Euro netto und beinhaltet Konferenz, Catering sowie die Abendveranstaltung. Mit dem Rabattcode „BÜROBESUCH“ gibt es 10 % Rabatt auf das Ticket.
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Welche Rolle spielt Ludwig Erhards Erbe für das Zentrum?
Ludwig Erhard ist untrennbar mit dem Konzept der Sozialen Marktwirtschaft verbunden. Er und viele andere vertraten die Idee, dass wirtschaftliche Freiheit, Wettbewerb und sozialer Ausgleich zusammengehören. Dieser Leitgedanke hat nach wie vor Geltung. Den Vordenkern der Sozialen Marktwirtschaft war aber klar, dass die Soziale Marktwirtschaft kein starres System sein darf, sondern das sich an veränderte Rahmenbedingungen anpassen muss.
Daher müssen wir uns heute fragen: Wie lässt sich diese Idee heute umsetzen – in Zeiten von Globalisierung, Digitalisierung und demografischem Wandel – und was bedeutet sie ganz konkret für Reformen in Steuer-, Sozial- und Wettbewerbspolitik? Hier setzen wir an.
Was hat die regionale Wirtschaft von dem Standort?
Wir liefern fundierte Analysen dazu, welche Reformen notwendig sind und wie sich ihre Akzeptanz erhöhen lässt. Zugleich bringen wir wirtschaftspolitische Debatten in die Region und stärken ihre überregionale Sichtbarkeit – durch Studien, Veranstaltungen und Medienbeiträge.
Rund um das Forschungszentrum ist so ein Netzwerk aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung entstanden, das Austausch ermöglicht, neue Impulse setzt und die Region stärkt.
Wie können Unternehmen aus Mittelfranken eingebunden werden?
Unternehmen aus Mittelfranken können auf vielfältige Weise aktiv eingebunden werden: als Gesprächspartner in Workshops, als Ratgeber und Partner bei Studien oder als Teilnehmer an Umfragen.
Wir haben bereits zahlreiche Gespräche mit regionalen Wirtschaftsvertretern geführt, um aus erster Hand zu verstehen, welche Herausforderungen Unternehmen beschäftigen. So haben uns lokale Unternehmen beispielsweise dabei unterstützt, besser zu verstehen, wie Bürokratie Investitionen hemmt oder welche Faktoren für die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer entscheidend sind.
So entsteht ein Austausch, von dem beide Seiten profitieren: Unternehmen bringen ihre Praxiserfahrung ein und erhalten im Gegenzug fundierte Erkenntnisse zu wirtschaftlichen Prozessen und Herausforderungen.
Was soll die Zusammenarbeit mit FAU und Ludwig Erhard Zentrum bewirken?
Die Zusammenarbeit mit FAU und Ludwig Erhard Zentrum soll Forschung, Lehre und Öffentlichkeit zusammenbringen. Wir wollen Studierende für wirtschaftspolitische Fragen begeistern, gemeinsam Projekte durchführen und den historischen Blick Ludwig Erhards mit aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen verbinden.
Ziel ist ein lebendiger Ort, an dem Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen.
Woran soll man in drei Jahren erkennen, dass Ihr Kurs erfolgreich ist?
In fünf Jahren ist der Standort erfolgreich, wenn wir in wichtigen wirtschaftspolitischen Debatten gehört werden, und unsere Forschungsergebnisse in konkrete Entscheidungen einfließen.
Wir wollen talentierte Forschende und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt anziehen, exzellente wissenschaftliche Publikationen vorlegen und ein fester Anlaufpunkt für Fragen rund um die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein.
Sie haben eine Empfehlung für einen Interviewpartner für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an presse@buerobesuch.de.
Wie hat Ihnen unser Interview gefallen? Schreiben Sie Ihr Feedback gerne an constantin.kaindl@buerobesuch.de. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.
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Beste Grüße & vielen Dank
Constantin Kaindl
Herausgeber

