Impuls

„Wieso braucht es neue Netzwerkformate, Dr. Iris Hofmann?“

Dr. Iris Hofmann sorgt als Apothekerin und COO von ABF Pharmazie dafür, dass schwerkranke Menschen hochspezialisierte Medikamente bekommen. Gleichzeitig will sie mit „The Other Conversation“ ein neues Netzwerkformat in der Metropolregion Nürnberg etablieren – eines, das weniger Smalltalk, mehr Tiefe und echte Wirkung verspricht.

Im Bürobesuch-Interview spricht Dr. Iris Hofmann darüber, warum klassische Netzwerkabende oft zu vorhersehbar bleiben, weshalb regionale Verwurzelung für sie ein Wettbewerbsvorteil ist und warum erfolgreiche Frauen nicht mehr Mut brauchen – sondern Räume, in denen aus Gesprächen konkrete Projekte, Kooperationen und nächste Schritte entstehen.

Wie erklären Sie einer 7-jährigen, was Sie beruflich machen?

Ich würde sagen: Ich helfe mit meinem Team, dass sehr kranke Menschen genau die Medikamente bekommen, die sie brauchen – extra für sie gemacht.

Und ich sorge dafür, dass alle gut zusammenarbeiten, damit genau das jeden Tag klappt.
Und manchmal mache ich auch besondere Treffen, bei denen kluge Frauen zusammenkommen und sich gegenseitig helfen und voneinander lernen.

Sie initiieren ein Gesprächsformat, das aus klassischen Business-Routinen ausbrechen will. Woher kam dieser Impuls?

Mein Alltag ist sehr strukturiert und von Verantwortung geprägt – Entscheidungen müssen schnell und richtig getroffen werden. Ich habe gemerkt, dass uns Möglichkeiten fehlen, in denen wir innehalten – also raus aus dem Alltag -, zuhören und wirklich miteinander sprechen. Diesen Raum wollte ich gemeinsam mit meiner Mit-Initiatorin Katharina Younce schaffen – und wir haben hier in der Region ein unglaublich starkes Team, das diese Idee mitträgt und möglich macht.

Welche Ihrer vielseitigen Rollen u. a. als Apothekerin, COO und Netzwerkerin prägt Ihren Alltag am stärksten?

Am stärksten prägt mich meine Rolle als Apothekerin und Geschäftsführerin – sie verbindet für mich die pharmazeutische Verantwortung für eine qualitativ hochwertige, patientennahe Versorgung mit einem klar strategischen Blick auf unser Unternehmen und den Gesundheitsmarkt als Ganzes. Ich sehe mich als Antreiberin, Dinge konsequent voranzubringen und zur Umsetzung zu bringen.

Unterschätzt wird oft die Netzwerkerin. Dabei ist sie entscheidend, wenn man Dinge wirklich bewegen und Menschen zusammenbringen möchte.

„The Other Conversation“ klingt nach dem Wunsch, Gespräche anders zu führen. Was fehlt Ihnen in den üblichen Netzwerkformaten, sodass Sie ein eigenes Event auf die Beine stellen?

Mir fehlen oft Tiefe und Impact. Viele Gespräche bleiben an der Oberfläche und sind sehr vorhersehbar. Als Naturwissenschaftlerin gehe ich den Dingen gerne auf den Grund. Und ich suche nach Austauschpartnerinnen auf Augenhöhe. Mit Frauen, die ähnliche Themen wie mich begleiten in spannenden Unternehmen, die sie leiten. Ich wollte also bewusst ein Format gestalten, das anders ist: persönlich, relevant und offen für Themen, die sonst wenig Raum bekommen.

Das Event trägt den Titel „Roots & Wings“. Was bedeuten für Sie persönlich diese beiden Begriffe in Ihrer eigenen Laufbahn?

Für mich ist das sehr persönlich. Ich komme aus einer Familie, die stark im Gesundheitswesen verwurzelt ist – mein Vater ist Arzt, meine Schwester Ärztin. Gleichzeitig stammt meine Mutter aus der Gastronomie und ist bis heute auch darin unternehmerisch tätig. Ich bin also mit medizinischer Versorgung und Gastgebertum groß geworden. Und ich bin einfach gerne Host!

„Roots“ stehen für mich für diese Herkunft, für Werte und Haltung. „Wings“ für Entwicklung, Mut und den Wunsch, Dinge aktiv zu gestalten. Beides gehört für mich untrennbar zusammen.


Top-Marketing-Konferenz bringt Longevity-Trend nach Nürnberg

Teilnehmer erwartet ein hochkarätiges Programm mit führenden Köpfen aus Wirtschaft und Wissenschaft. Zu den Top-Speakern zählen unter anderem Prof. Dr. Maja Göpel, Sascha Lobo, Andreas Wieser und Martin Esslinger. Ergänzt wird das Line-up durch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Markenstrategie und Innovation.

Die Veranstaltung bietet nicht nur fundierte Insights und Best Practices, sondern auch wertvolle Netzwerkmöglichkeiten für Unternehmen aus der Region. Moderiert wird der Tag von Nadia Kailouli, ARD-Fernsehmoderatorin, KI-Podcasterin und Hochschullehrerin.

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Gab es in Ihrer Karriere einen Moment, in dem ein einziges Gespräch Ihre Richtung verändert hat?

Ja, solche Gespräche gab es. Ich hatte das Glück einigen Schlüsselpersonen auf meinem Weg begegnet zu sein, die mich auf Chancen aufmerksam gemacht haben.

Insbesondere erinnere ich mich an ein Gespräch mit meiner Mutter, die mir am Anfang meines Berufsweges von einer Stelle im Arzneimittelversandhandel berichtete und mich ermutigte diesen für eine Apothekerin zunächst unpopulären Weg zu gehen.

Ich bin dann in einer der erfolgreichsten Versandapotheken Deutschlands gelandet. Diese Stelle prägt mich bis heute und hat meinen Blick auf das Gesundheitswesen und wie Management funktioniert, geschärft.

Wie wichtig ist regionale Verwurzelung, wenn man im hochkomplexen, überregionalen Gesundheitsmarkt wachsen will?

Für mich ist regionale Verwurzelung ein echter Wettbewerbsvorteil. Gerade hier in Franken haben wir ein unglaublich starkes Umfeld für Unternehmen – wirtschaftlich, strukturell und auch finanziell sehr attraktiv. Gleichzeitig entsteht oft der Eindruck, dass alles nach München ausgerichtet ist.

Mir ist wichtig zu zeigen: Hier in der Metropolregion Nürnberg entsteht auch Innovation, Gestaltungskraft und unternehmerische Stärke – nicht nur in den großen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München. Und genau das möchte ich aktiv mit weiterentwickeln durch ein starkes Netzwerk.

Warum brauchen gerade weibliche Führungskräfte heute mehr Austausch außerhalb ihrer eigenen Bubble?

Mir ist wichtig zu sagen: Ich arbeite sehr gerne mit Männern und Frauen gleichermaßen zusammen – am Ende zählt immer die Persönlichkeit.

Aber ich habe große Freude daran, mit Frauen gemeinsam Dinge zu bewegen. Es geht dabei nicht darum, Mut zu machen – Frauen haben Mut. Es geht darum, erfolgreiche Frauen zu vernetzen, die Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten wollen.

Das sehen wir auch bei uns im Unternehmen: Rund 60 Prozent unserer Führungskräfte sind Frauen – und das prägt unsere Kultur sehr positiv.

Welche Gespräche werden aus Ihrer Sicht zu selten geführt, obwohl sie für die Zukunft der Branche entscheidend wären?

Wir sprechen sehr viel über Strukturen, Prozesse und Effizienz – das ist auch unerlässlich – aber zu wenig über Führung, Kultur, Resilienz, Mental Health und gute Zusammenarbeit. Gerade in einem so anspruchsvollen Umfeld, in dem es um Versorgung von Schwerkranken geht braucht es Menschen, die sich gegenseitig unterstützen und vertrauensvoll zusammenarbeiten, damit das gelingt. Außerdem muss dringend Bürokratie abgebaut werden. 

Wieso ist es gerade in der Metropolregion Nürnberg wichtig, Räume zu schaffen, in denen sich Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft begegnen?

Weil wir hier ein enormes Potenzial haben, das noch nicht voll ausgeschöpft ist. In Franken entsteht unglaublich viel.

Genau deshalb ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen sich die unterschiedlichen Professionen begegnen, vernetzen und sichtbar werden. Wenn wir das stärker nutzen, wird die Region noch attraktiver – für Unternehmen, für Talente und für Investitionen.

Was müsste nach dem Abend passieren, damit Sie sagen: Dieses Format hat mehr ausgelöst als einen schönen Netzwerkabend?

Wenn daraus konkrete Dinge entstehen: neue Projekte, neue Businesses, Kooperationen oder auch persönliche Entwicklungsschritte.

Wenn die Teilnehmerinnen nach Hause gehen und nicht nur inspiriert sind, sondern sagen: Ich setze jetzt etwas um. Dann hat der Abend wirklich Wirkung entfaltet.

Wie kann Inspiration nach so einem Abend langfristig wirken?

Wie schon gesagt: Indem das Gehörte in Handlung übergeht. Inspiration darf nicht stecken bleiben. Wenn Menschen nach so einem Abend dann anders entscheiden, mutiger handeln oder neue Wege gehen, Chancen nutzen, dann wirkt sie nachhaltig und wir als Initiatorinnen sind happy. 

Gibt es eine Frage, die sich Frauen in Führungspositionen viel öfter gegenseitig stellen sollten?

Ja: „Warum gehst du nicht den nächsten Schritt?“ Nimm´die Rolle. Übernimm die Verantwortung. Zögere nicht. Ich glaube, wir sollten uns gegenseitig viel häufiger ermutigen, größer zu denken und Chancen aktiv zu ergreifen.


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Beste Grüße & vielen Dank

Constantin Kaindl

Herausgeber

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