Portrait

„Das Thema ‚Wein‘ gefällt uns. Mit Wein können wir uns identifizieren.“

Zwei Männer, ein Wein- und Getränkehandel: Martin Aman und Felix Merkle haben gemeinsam BWL in Augsburg studiert und vor vier Jahren einen Weinhandel übernommen. Vor etwa einem Jahr kauften sie ein zweites Unternehmen, den Getränkehandel Brakhoff in Erlangen.

Wir haben die beiden Unternehmer zum Interview getroffen und mit ihnen über Weine, Anzüge und unternehmerische Herausforderungen gesprochen.

4 von 5 Mitarbeitern waren krank

Aman und Merkle haben bereits während ihres Studiums überlegt, womit sie sich am besten selbstständig machen können. Der Weinhandel weckte ihr Interesse. Felix Merkle sagt: „Das Thema Wein gefällt uns. Mit Wein können wir uns identifizieren. “ Aman schiebt nach: „Und mit dem Handel.“

Obwohl das Unternehmen letztlich branchenfremd war, trauten sich die beiden Männer die Übernahme zu. Merkle erzählt: „In den ersten sechs Monaten ist schiefgegangen, was schiefgehen konnte.“

Damals arbeiteten etwa fünf Festangestellte in dem Unternehmen. Vier davon fielen krankheitsbedingt aus: Der Lagerist hatte Probleme mit der Sehne, der Fahrer etwas mit dem Darm, die Sekretärin wurde schwanger – um nur einige Beispiele zu nennen.

Auf die verblüffte Nachfrage, wie man so etwas löse, antwortet Merkle trocken: „In dem man selber angreift und die Arbeit macht.“

„Ich wollte eigentlich nie was mit Anzug machen. Nach dem Studium habe ich trotzdem in der Bank gearbeitet.“

Felix Merkle

Angestellter vs. Unternehmer

Dass die Mitarbeiter für ein Unternehmen unverzichtbar sind, ist den beiden Unternehmern also seit ihrem ersten Tag als Geschäftsführer klar. Martin Aman erklärt, dass er es wichtig finde, vom ersten Tag an eine Bindung zu den Mitarbeitern aufzubauen. Er sagt: „Verantwortung für andere Menschen und deren Familien zu tragen, ist, was mich antreibt.“

Schon als Angestellter habe er bereits sehr selbstständig und pflichtbewusst gearbeitet. Dass die Umsetzung von Ideen als Unternehmer allerdings viel schneller geht, als als Angestellter, hebt Merkle als großen Vorteil heraus.

Ein halbes Jahrhundert Brakhoff

Was Martin Aman und Felix Merkle von vielen anderen Unternehmern unserer Bürobesuche abhebt, ist, dass sie ihre Unternehmen nicht selbst gegründet, sondern bereits bestehende Firmen übernommen haben.

So verwundert es nicht, dass der Getränkehandel Brakhoff Anfang November 50-jähriges Jubiläum feiert. Ein halbes Jahrhundert ist das Unternehmen alt und obwohl Aman und Merkle erst seit einem Jahren dabei sind, begehen sie den Geburtstag feierlich.

„Wir sind definitiv bereits emotional mit Brakhoff verwurzelt.“

Martin Aman

Aman und Merkle haben verinnerlicht, welches Erbe sie mit dem Kauf des Unternehmens angetreten haben. Kunden-, Mitarbeiter- und Lieferantenbeziehungen liegen ihnen am Herzen und so ist es ihnen herzlich egal, dass sie Brakhoff zeitlich gesehen nicht maßgeblich geprägt haben.

Inhaltlich haben sie das auf jeden Fall noch vor. Aman erklärt: „Wir wollen das Thema Regionalität stärker leben – im Sinne der Nachhaltigkeit wie auch im Produktportfolio.“ Damit gibt er einen kleinen Ausblick darauf, wie wichtig ihnen der lokale Kunde vor Ort ist.

„Stillstand ist nichts für uns.“

Felix Merkle

Allgäu vs. Mittelfranken

Aman und Merkle haben sowohl Erfahrungen in der Wirtschaftsregion Allgäu als auch in Mittelfranken sammeln können. Beides sind ihrem Empfinden nach wirtschaftsstarke Regionen mit dem Unterschied, dass das Allgäu große Hidden Champions beherbergt, die keiner auf dem Schirm hat.

Auf jedem Kaff gäbe es ein anderes tolles Unternehmen. Im Gegensatz dazu weiß in der Metropolregion Mittelfranken jeder um adidas, Schaeffler, Siemens und Co. Autarke Ortschaften des Allgäus stehen so den Ballungszentren Frankens entgegen.

Schon gewusst?!

Die beiden Unternehmer halten im Übrigen noch ein weiteres Geschäftsmodell parat und warten nur darauf, es weiterzuentwickeln: The Wine Guys.

Diese Weinmarke arbeitet mit jungen Winzern aus Deutschland zusammen. Ein Einzelhandelsgeschäft dazu gibt es aktuell nicht. Aber vielleicht entsteht ja mal ein Onlineshop.


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