Impuls

„In welchen Themen müssen sich Führungskräfte heute weiterentwickeln, Jonas Jellinghaus?“

KI, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Unsicherheit stellen Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Doch was macht gute Führung heute eigentlich aus? Warum reichen Fachwissen und klare Ansagen längst nicht mehr aus? Und wo liegen die Stärken und Schwächen des mittelfränkischen Mittelstands?

Im Interview mit bürobesuch erklärt der Leiter der WiSo-Führungskräfte-Akademie, welche Kompetenzen Führungskräfte künftig brauchen, warum Empathie immer wichtiger wird und weshalb Unternehmen gerade in Krisenzeiten nicht an der Weiterbildung sparen sollten.


Wie erklären Sie einem 7-Jährigen Kind Ihren Beruf? 

Ich leite eine Art Schule für Erwachsene. Bei uns lernen Menschen, die schon ein Team führen oder das bald tun möchten, wie gute Zusammenarbeit gelingt und wie man gemeinsam etwas erreichen kann. Zusammen mit meinem Team suche ich passende Lehrerinnen und Lehrer aus.

Außerdem sorgen wir dafür, dass alle gut lernen können. Man könnte sagen: Ich bin so etwas wie ein Schuldirektor – nur eben für Erwachsene.

Was hat Sie persönlich am Thema Führungskräfteentwicklung begeistert?

Mich begeistert, wie viel gute Führung bewegen kann. Wenn sich eine Führungskraft weiterentwickelt, profitiert davon oft ein ganzes Team. Ich erlebe immer wieder, wie Teilnehmende neue Impulse aus unseren Studienprogrammen und Seminaren mitnehmen und direkt im Unternehmen umsetzen.

Zu sehen, was daraus entsteht, motiviert mich jedes Mal aufs Neue. Besonders wertvoll ist für mich auch die enge Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität (FAU). So verbinden wir wissenschaftliche Erkenntnisse direkt mit der Praxis.

Was unterscheidet wirklich gute Führungskräfte von weniger erfolgreichen?

Für mich sind es vor allem drei Dinge:

Gute Führungskräfte wissen, wohin sie wollen, und vermitteln ihre Ziele klar und verständlich. Sie interessieren sich aufrichtig für ihre Mitarbeitenden und deren Entwicklung. Und sie hören selbst nie auf zu lernen. Sie holen aktiv Feedback ein und hinterfragen ihr eigenes Handeln.

Wer Führung dagegen vor allem mit Kontrolle oder der Autorität der eigenen Position verbindet, wird langfristig wenig erreichen.

KI, Fachkräftemangel, wirtschaftliche Unsicherheit: Wo haben Führungskräfte heute den größten Nachholbedarf?

Den größten Nachholbedarf sehe ich im Umgang mit Unsicherheit und Veränderung. Viele Führungskräfte haben ihre Rolle in einer Zeit gelernt, in der sich Entwicklungen noch verlässlicher planen ließen.

Heute müssen sie auch mit unvollständigen Informationen entscheiden und ihren Mitarbeitenden trotzdem Orientierung geben.

Zugleich wird es anspruchsvoller, gute Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Und KI ist längst kein Thema mehr, das Führungskräfte einfach an die IT-Abteilung delegieren können. Jede Führungskraft muss sich aktiv damit auseinandersetzen.

Fachwissen, klare Ansagen, gute Ergebnisse: Reicht das heute noch für gute Führung?

Das bleibt weiterhin eine wichtige Grundlage, reicht allein aber nicht mehr aus. Fachwissen veraltet immer schneller. Außerdem verfügen Mitarbeitende in ihrem Spezialgebiet oft über mehr Expertise als ihre Führungskraft.

Teams brauchen weiterhin klare Entscheidungen und Orientierung. Doch Führung bedeutet heute weniger, alles selbst vorzugeben. Es geht vielmehr darum, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Mitarbeitende ihre Fähigkeiten bestmöglich einbringen können. Denn gute Ergebnisse sind langfristig wenig wert, wenn dabei das Team auf der Strecke bleibt.

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10 % Rabatt für die 1. Mittelfränkische Social Media Konferenz

Mit dabei sind unter anderem Vertreter von DATEV, Sparkasse Nürnberg, FAU Erlangen-Nürnberg, FACKELMANN, Feser-Graf und ZOLLHOF. Insgesamt sind mehr als 25 Speaker angekündigt. Am Abend werden beim Mittelfränkischen Social Media Award zudem Social-Media-Cases aus der Region ausgezeichnet.

Das reguläre Konferenzticket kostet 399 Euro netto und beinhaltet Konferenz, Catering sowie die Abendveranstaltung. 

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Welche Rolle spielen emotionale Intelligenz und Empathie für erfolgreiche Führung?

Für mich spielen emotionale Intelligenz und Empathie eine sehr große Rolle. Führung findet immer zwischen Menschen statt. Wer nicht wahrnimmt, wenn Mitarbeitende überlastet sind oder Spannungen im Team entstehen, stößt früher oder später an Grenzen.

Empathie bedeutet allerdings nicht, es allen recht zu machen. Führungskräfte müssen auch unbequeme Entscheidungen treffen und klare Grenzen setzen können. Entscheidend ist, wie sie das tun. Wer Entscheidungen nachvollziehbar erklärt und dabei Fingerspitzengefühl zeigt, schafft mehr Verständnis und Akzeptanz.

Wo liegen die Stärken und Schwächen von Führungskräften im mittelfränkischen Mittelstand?

Zu den großen Stärken zählen für mich Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und die Nähe zu den Mitarbeitenden. Viele Unternehmen in unserer Region sind familiengeführt. Die Entscheidungswege sind oft kurz, und man kennt sich persönlich. Das schafft Vertrauen und bietet eine wertvolle Grundlage für gute Führung.

Herausfordernd wird es, wenn fachlich hervorragende Mitarbeitende Führungsverantwortung übernehmen, ohne ausreichend auf ihre neue Rolle vorbereitet zu sein. Manchmal halten Unternehmen auch etwas zu lange an bewährten Strukturen fest. Gerade angesichts des tiefgreifenden Wandels in der Industrie braucht es den Mut, neue Wege zu gehen.

Welche Kompetenzen müssen Führungskräfte im Umgang mit KI entwickeln?

Führungskräfte müssen nicht selbst programmieren können. Sie sollten aber verstehen, was KI leisten kann, wo ihre Grenzen liegen und wie sie sich im eigenen Verantwortungsbereich sinnvoll einsetzen lässt. Dazu gehört, Ergebnisse kritisch zu prüfen und Datenschutz sowie Datensicherheit im Blick zu behalten.

Mindestens genauso wichtig ist die menschliche Seite. Viele Mitarbeitende fragen sich, was KI für ihren Arbeitsplatz und ihre berufliche Zukunft bedeutet. Führungskräfte müssen diese Sorgen ernst nehmen, offen über Veränderungen sprechen und den Wandel aktiv begleiten.

Genau vor diesem Hintergrund haben wir gemeinsam mit der FAU WiSo Executive School den berufsbegleitenden MBA Digital Business & AI entwickelt. Er bereitet Fach- und Führungskräfte gezielt auf diese Herausforderungen vor.

Ist Führungskräfteentwicklung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Luxus oder Notwendigkeit?

Für mich ist sie ganz klar eine Notwendigkeit. Ich kann nachvollziehen, dass Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Ausgaben überprüfen und dabei auch die Weiterbildung auf den Prüfstand stellen. Doch gerade dann braucht es Führungskräfte, die Orientierung geben, Veränderungen gestalten und ihre Teams zusammenhalten.

Wer hier spart, spürt die Folgen oft erst später – etwa wenn Leistungsträger das Unternehmen verlassen oder geeignete Nachfolgerinnen und Nachfolger fehlen. Weiterbildung ist außerdem ein Zeichen der Wertschätzung. Gerade angesichts des Fachkräftemangels hilft sie, Mitarbeitende langfristig zu binden.

Welche Angebote für Führungskräfte bietet die WiSo-Führungskräfte-Akademie?

Die WiSo-Führungskräfte-Akademie (WFA) entstand 1989 als Spin-off der FAU Erlangen-Nürnberg und ist heute auch Teil der Grundig Akademie Group. Seit ihrer Gründung widmet sie sich der berufsbegleitenden Weiterbildung von Fach- und Führungskräften.

Gemeinsam mit der FAU WiSo Executive School bieten wir vier berufsbegleitende Masterprogramme an: den MBA Business Management, den MBA Digital Business & AI, den MBA Sustainability Management sowie den Master in Marketing- und Vertriebsmanagement.

Ergänzt wird unser Angebot durch praxisorientierte Zertifikatslehrgänge in Bereichen wie Leadership, Projektmanagement, Business Management, Marketing & Sales, Personal Performance sowie Digital Business & AI. Unser Anspruch: wissenschaftlich fundierte Weiterbildung, die sich direkt im Berufsalltag anwenden lässt.

Welchen wichtigsten Rat würden Sie einer Führungskraft aus Mittelfranken mitgeben?

Wir leben in einer Zeit rasanter Veränderungen und stehen oft vor ähnlichen Herausforderungen. Mein Rat: Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um selbst dazuzulernen und Ihre Mitarbeitenden zu begleiten. Beides kommt im hektischen Führungsalltag schnell zu kurz, macht langfristig aber einen entscheidenden Unterschied.

Unsere typisch fränkischen Stärken – Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und persönliche Nähe – sind dafür eine hervorragende Grundlage. Und ein fränkisches „Passt scho“ hat durchaus seine Qualitäten. Es darf uns nur nicht davon abhalten, Gewohntes zu hinterfragen und Neues auszuprobieren – auch wenn wir dabei scheitern. Denn genau daraus entsteht Fortschritt.

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